• Letztes Briefing am Dienstag

    Als wir zum 30.8.2018 beim Social Media Watchblog die Paywall hochgezogen haben, hätte die Aufregung kaum größer sein können:

    Nächste Woche Freitag werde ich übrigens nicht nur auf eine Paywall umstellen, sondern auch heiraten. Ich wüsste gar nicht, wann ich schon einmal in einer Woche so viel Aufregung hatte. Falls Du mir also zumindest beim Wechsel auf die Paywall helfen könntest, dann hätte ich vielleicht ein bissl mehr Ruhe bei meiner Hochzeit – ich zähl auf Dich! One Love!

    Dass ich den Newsletter dann fast acht Jahre lang jeden Dienstag und Donnerstag verschicken würde, war nicht abzusehen. Heute aber ist der Tag gekommen, an dem ich das Briefing zum letzten Mal dienstags verschickt habe. Simon zieht weiter und bleibt als Freund. Ich richte das Social Media Watchblog neu aus: Künftig wird es weniger News und mehr Einordnung geben. Im Briefing vom 5.März habe ich ausführlich aufgeschrieben, was kommt:

    Vom 9. April an erscheint der Newsletter jeweils am Donnerstagmorgen. Das fühlt sich nach einer Verkleinerung des Angebots an. Aber die alte Struktur hatte entscheidende Schwächen: Die News am Dienstagnachmittag stammten oft aus der Vorwoche. Die Analysen am Nachmittag kamen zu einem Zeitpunkt, an dem kaum jemand die Ruhe hatte, sich wirklich darauf einzulassen. Der neue Erscheinungsrhythmus verdichtet das Angebot. Kein Mensch benötigt dieser Tage „noch mehr zu lesen“. Der Kern bleibt bestehen: Einordnung und Vertrauen.

    Ich bin voller Vorfreude auf das, was kommt. Mehr Gespräche, mehr Persönlichkeit. Und wer weiß: Womöglich schreibe ich in acht Jahren wieder einen Blogpost und kann kaum fassen, wo die Zeit geblieben ist.

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  • Unsubs und Kündigungen

    Wer Newsletter versendet, kennt das Phänomen: Sobald der Newsletter verschickt wurde, kommen die Abmeldungen und Kündigungen rein. Ist ja auch verständlich: Wenn die Mail im Postfach landet, ist das der Moment, der daran erinnert, dass man da ja noch angemeldet war, bzw. ein Abo hatte. Geht mir persönlich ja nicht anders. Und doch ist es maximal frustrierend, stundenlang eine neue Ausgabe zu schreiben, um dann als Quittung eine Kündigung zu erhalten. Künftig werde ich das anders handhaben.

    Anstatt die automatisierten Mails von Steady und Ghost zu den Kündigungen und Unsubs direkt in meinem Hauptpostfach zu erhalten, landen sie nun bei einer Mail-Adresse, die ich nur zu ausgewählten Zeitpunkten checke. Churn ist normal und gehört zum Geschäft. Selbstverständlich muss ich die Zahlen im Blick behalten, damit ich mich nicht eines Tages wundere, warum Steady nur noch 3,50 Euro überweist. Aber das Gefühl, das die Kündigungen, die direkt auf den Versand des Newsletters eintreffen, in mir auslösen, grenzt an Masochismus und verzerrt das Bild. Neue Leute kommen, andere gehen. Das Geschäft funktioniert seit Jahren. Ich kann schreiben, mehrere Tausend Mitglieder machen das möglich. Ein großes Glück.

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  • Ebenfalls lesenswert
    • YouTube

      Als ich anfing, mir darüber Gedanken zu machen, wie das Social Media Watchblog wohl nach Simons Abgang aussehen könnte, wurde mir eine Sache ziemlich schnell klar: Ich will mehr Gespräche führen. Nicht nur unter 3 zur Erweiterung meines eigenen Horizonts, sondern öffentlich.

      Daher freue ich mich wie Bolle, dass ich diese Idee nun ab April auch in die Tat umsetzen und im Idealfall mehrfach im Monat mit smarten Gäst:innen zum Wandel der digitalen Öffentlichkeit sprechen werde. Primär werden die Gespräche auf youtube.com/@martinfehrensen zu finden sein. Aber weil mir befreundete Podcast-Pros sagen, dass mehr mehr ist, wird es die Unterhaltungen auch auf Spotify, Apple Podcast und Co. geben.

      Um das noch einmal explizit festzuhalten: Die Idee ist es nicht, dass die Gespräche meinen Newsletter ablösen. Im Gegenteil: Die Unterhaltungen sollen zum einen einer interessierten Öffentlichkeit Brainfood geben. Zum anderen werden die Gespräche für meine Mitglieder im Newsletter noch einmal gesondert und exklusiv aufbereitet. Wenn ich dadurch insgesamt auch noch etwas mehr Aufmerksamkeit für meine Arbeit und meinen Newsletter erhalten, perfekt.

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    • Das offene Web endet. Es beginnt ein Modell, in dem Überleben von Markenstärke, Direktbeziehungen und Plattformgnade abhängt.

      Laut Chartbeat ist der Referral-Traffic aus klassischen Suchmaschinen bei kleinen Publishern in den vergangenen zwei Jahren um 60 Prozent zurückgegangen – verglichen mit 47 Prozent bei mittelgroßen und 22 Prozent bei großen Publishern.

      Link: Axios

    • Im Plattformzeitalter zählen Newsletter zu den wertvollsten Kanälen. Im aktuellen Briefing des SMWB geht es darum, warum dieser Kanal jetzt gefährdet ist.

    • A desire to unscale. To be in spaces where ideas can be heard and developed without the rage brigades trying to inflict pain just to feel something. We’ve been taught to see scale as the whole point of being online — a delusional VC logic we’ve accepted as the cost of participation. We shouldn’t. Our attention and energy are too scarce for it.

      Link: Yancey Strickler

    • Fußball begleitet mich, seit ich denken kann. Bis zum Abi gab es kaum einen Nachmittag ohne Bolzplatz und kein Wochenende ohne die Sportschau um 18 Uhr. Heute geht mir vieles rund um den Profifußball auf die Nerven – der Kommerz, immer absurdere Transfersummen, die dubiosen Verbindungen zwischen FIFA und Staaten, in denen Menschenrechte wenig gelten. Aber die Liebe zum Spiel ist geblieben.

    • Social-Media-Verbot - Warum es dich betrifft, auch wenn du längst erwachsen bist

      Im aktuellen Newsletter geht es um die Frage, die bei der Debatte um ein mögliches Social-Media-Verbot keiner stellt:

      “Befürworten Sie eine Altersgrenze von 16 Jahren für große Online-Plattformen wie Instagram oder TikTok, und wären Sie gleichzeitig bereit, sich auf diesen Plattformen mit Ausweispapieren zu registrieren oder ihr Gesicht scannen zu lassen?”

      Dass sich in Umfragen und in privaten Gesprächen erst einmal sehr viele dafür aussprechen, Heranwachsende vor “den Gefahren” in den sozialen Medien zu schützen, liegt irgendwie nahe.

      Wenn es aber darum geht, ob man sich denn selbst ausweisen möchte, um künftig Plattformen zu nutzen, sieht die Sache vermutlich ganz anders aus.

    • Freie Newsletter Subs

      Beim Social Media Watchblog haben wir über die Jahre immer wieder unterschiedliche Methoden ausprobiert, um Menschen unsere Arbeit näherzubringen. Ein erprobtes Mittel, um Leute davon zu überzeugen, Mitglied zu werden, lautet: Sieh zu, dass du sie als Newsletter-Subscriber gewinnst. Dann kannst du sie, so die Logik, in der Folge immer mal wieder mit deinen Inhalten beglücken und darauf hoffen, dass sie Mitglied werden. Vielleicht erstellst du sogar eine automatisierte E-Mail-Kampagne, in der du dich und deine Arbeit vorstellst. Genau das haben wir in verschiedensten Varianten durchexerziert.

      Mal haben wir unseren freien Subs eine ganze Ausgabe geschickt, mal haben wir ihnen eine E-Mail mit unserer Story geschickt, mal haben wir sie einfach kalt angeschrieben und ihnen gezeigt, was eine Mitgliedschaft für Vorteile mit sich bringt, einmal haben wir sogar eine E-Mail-Serie aufgesetzt. Aber am Ende - und das ist der Punkt - ist die Conversion bei unserem Projekt verschwindend gering. Um es plump auszudrücken: Der Aufwand lohnt sich nicht.

      So sitze ich also derzeit auf 3500 Kontakten, die sich irgendwann mal für meinen Newsletter eingetragen haben, aber eigentlich kein Interesse an einem Abo bei uns haben. Was mache ich mit ihnen? Einfach im System lassen? Bei Ghost zahle ich pro Kontakt. Es entstehen reale Kosten. Oder “schmeiße” ich sie von der Liste und verschicke den Newsletter wirklich nur noch an jene, die eine Mitgliedschaft bei uns haben? Ich habe bislang keine finale Antwort darauf gefunden.

      Aber ich habe mich entschieden, die “freie” Liste fürs Erste abzuschalten. Wer unsere Arbeit kenennlernen möchte, kann sich fortan (wieder) ein 30-tägiges Probe-Abo holen. Dann sieht er/sie auch direkt, was den Newsletter auszeichnet. Keine/r rennt in irgendwelche Paywalls und ich muss auch keine Marketing-E-Mails mehr verschicken, in denen ich das SMWB und meine Arbeit anbiete, als wäre es ein Hot-Sale bei einem Dropship-Store.

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