Bluesky: Public by default

Wer Bluesky nutzt, tut dies in aller Regel mobil via Bluesky-App oder über die Desktop-Version im Browser. Es gibt aber noch andere Wege, um auf die Daten zuzugreifen, die Bluesky-Userïnnen produzieren: Über die API und über das Repo(sitorium), das alle Nutzerïnnen wie einen Rucksack mit sich herumtragen.

Im folgenden findest du einen Überblick, welche Daten an welcher Stelle zu finden sind:

Bluesky-App / Desktop-Version im Browser

Folgende Informationen können standardmäßig von allen bei Bluesky eingeloggten Userïnnen angesehen werden:

  • Display Name
  • Handle
  • Description / Bio
  • Profilfoto
  • Header-Foto
  • Anzahl der Follower
  • Anzahl der Accounts, denen man folgt – Following
  • Anzahl der Posts
  • Posts
  • Replies
  • Media
  • Feeds
  • Listen

API-Level

Auf API-Level können zudem Daten eingesehen werden, für die es bei Bluesky derzeit gar keine Anzeige-Funktion gibt. Über Drittanbieter-Tools wie ClearSky oder Twexit.nl lässt sich zusätzlich auf folgende Daten zugreifen:

  • Wen du blockst
  • Wer dich blockt
  • Mit welchen anderen Accounts du die gleichen Accounts blockst
  • Mit wem du interagierst
  • Welche Accounts auf deinen Listen stehen
  • Welche Handles du vorher benutzt hast (!)
  • Deinen Decentralized identifier, kurz DID

Repo-Level

Das Repo(sitorium) ist quasi eine Art Datenrucksack, den alle Nutzerïnnen mit sich herumtragen. Über Tools wie Bluesky Walker lässt sich das Repo von allen anschauen und herunterladen – auch ohne Account bei Bluesky.

Auf Repo(sitorium)-Level lässt sich zusätzlich neben den oben genannten auf folgende weitere Daten zugreifen:

  • Accounts, denen du folgst – in chronologischer Reihenfolge
  • Welche Posts du geliked hast – in chronlogischer Reihenfolge
  • Separate Anzeige von Reposts

Wenn du einen Post bei Bluesky löschst, dann verschwindet er (mittlerweile) auch aus deinem Datenrucksack. Wenn du einen Post bei Bluesky unlikest, dann verschwindet das Like auch aus deinem Repo. Jedenfalls gilt das für die Daten, die durch Tools wie Bluesky Walker sichtbar werden. Ob die Einträge wirklich zu 100 Prozent aus deiner Repo gelöscht werden, kann ich nicht nachvollziehen, ergänze es aber in diesem Post, sobald ich dazu mehr weiß.

Vorteile

Bluesky basiert auf dem AT Protocol. Bislang ist Bluesky die einzige Anwendung, mit der sich auf das Protokoll zugreifen lässt. Das soll sich künftig ändern.

Dann wäre es möglich, anstelle von Bluesky eine andere Anwendung zu nutzen, um auf das AT Protocol zuzugreifen, ohne dass der Account wieder neu aufgesetzt werden muss. Wir alle haben gerade beim Zusammenbruch von Twitter erlebt, wie nervenaufreibend es sein kann, seine alten Netzwerke wiederzufinden. Ein Datenrucksack macht dies sehr viel einfacher.

Leider ist noch nicht absehbar, wann es zu einer wirklichen Öffnung beim At Procol kommt. Zudem ist auch noch nicht zu sagen, ob und wie eine Förderierung mit Mastodon, WordPress.com oder Threads möglich sein wird, die jeweils das Activity Pub Protokoll nutzen.

Nachteile

Alles ist bei Bluesky per default öffentlich. Bluesky ist gebaut für öffentliche Kommunikation. Alle Daten lassen sich auch von Dritten ohne Account bei Bluesky einsehen, abrufen und herunterladen – ob manuell oder via Bot.

Dadurch könnten auch Dinge, die du zu einem späteren Zeitpunkt wieder gelöscht hast oder doch nicht mehr likest, weiter in einem Datensatz jenseits deiner Kontrolle verfügbar sein.

Auch sollten sich Bluesky-Userïnnen darüber im Klaren sein, dass ihre Daten von Drittanbietern genutzt werden, um eigene Anwendungen bereitzustellen. Hier gibt es einen Überblick über Tools, die auf das AT Protocol zugreifen.

Es ist ferner bislang nicht möglich, früher genutzte Handles zu löschen. Für Menschen, die großen Wert auf Datenschutz und Privatsphäre legen, ist das enorm problematisch.

Was ist bei Bluesky überhaupt privat?

Einige Dinge landen nicht in deinem Datenrucksack. Folgende Dinge teilst du nur mit Bluesky:

  • Display Settings
  • Die bei Bluesky hinterlegte E-Mail-Adresse
  • Wen du eingeladen hast via Invite Code
  • Wer dich zu Bluesky eingeladen hat via Invite Code
  • Mute-Listen und wen du gemuted hast
  • Moderationseinstellungen

Was muss ich noch wissen?

  • Wenn du Drittanbieter-Tools wie deck.blue nutzen möchtest, solltest du dir dafür ein extra App-Passwort einrichten lassen. Wichtig: App-Passwörter haben nahezu die selben Kapazitäten wie dein eigentliches Passwort mit den zwei Ausnahmen, dass darüber dein Konto nicht gelöscht oder weitere App-Passwörter generiert werden können.
  • Bösartige Drittanbieter können über die App-Passwörter an deine E-Mail-Adresse gelangen. Also immer obacht, welche Tools du nutzt.

Tools

Diskussion

Ich bin kein Coder, vielleicht habe ich in dieser Zusammenstellung Dinge nicht richtig dargestellt oder verstanden. Wenn dem so ist, dann werde ich das hier gern transparent korrigieren. Für die Diskussion gern diesen Post bei Bluesky nutzen. Danke!

Ich haben meinen Account bei Twitter / X gelöscht

Liebe Freunde, liebe Kollegïnnen

Ich habe mich dazu entschieden, meinen Account bei Twitter zu löschen. Wer mit mir in Kontakt bleiben möchte, folgt mir am besten bei Bluesky, Mastodon, Instagram oder Substack.

Lange Zeit dachte ich, das mit Musk beruhigt sich wieder. Der Spuk geht vorbei. Twitter wird bestimmt wieder so, wie es früher einmal war. Aber nichts wird wieder so, wie es war.

Elon Musk ist meines Erachtens nie angetreten, um aus Twitter eine Super-App zu bauen. Er verfolgt in meinen Augen eine politische Agenda. Es tritt damit genau das ein, wovor seit Jahren gewarnt wurde: Was passiert, wenn ein durchgeknallter Rechtsextremer eine der entscheidenen Social-Media-Plattformen übernimmt?

Bislang hatte es keiner geschafft, ein schlagkräftiges Social-Media-Angebot für die extreme Rechte aufzubauen. Gab, Parler, Truth Social — alles für die Tonne. Alles viel zu nischig. Twitter war weiter der zentrale Ort, an dem die Welt zusammenkam. Mit allen Höhen und Tiefen. Musk muss sich gedacht haben: Wenn ich einfach “Woke-Twitter” loswerde, dann habe ich mit einem Schlag das größte rechte Netzwerk der Welt. Et voilà — er ist fast am Ziel angekommen.

Nun lässt sich argumentieren, dass man doch bitte auf der Plattform bleiben sollte, um den Raum nicht den Rechtsextremen und Schwurblern zu überlassen. Dagegenhalten. Keinen Schritt weichen.

Auch ich habe lange Zeit gedacht, dass das die richtige Taktik ist. Doch ich bin mittlerweile anderer Meinung. Twitter, jetzt X, ist nicht der richtige Ort, um dagegenzuhalten. Der Grund liegt darin, wie die Plattform gebaut ist. X ist nicht für den Austausch von Argumenten konzipiert. Die App ist dafür gebaut, vor dem eigenen Publikum zu bestehen. X ist für Eskalation gebaut. Nicht für Dialog.

Wenn ich nun aber auf X mit Argumenten nix erreiche, dann performe ich nur vor all jenen, die eh schon meiner Meinung sind das ewig gleiche Schauspiel. Ja, damit kann ich womöglich weiter als persönliche Marke wachsen. Der Demokratie ist damit noch lange nicht geholfen. Und viel wichtiger: Ich legitimiere die Plattform. Ich sorge mit meiner Präsenz auf X dafür, dass Elon Musk Werbetreibenden erzählen kann, die App habe so und so viel täglich / monatlich aktive Nutzerïnnen. Bitte buchen Sie hier ihre Anzeigen.

Ich möchte mit meinem Account aber nicht länger dazu beitragen, dass X als relevantes Netzwerk erachtet wird. Ich möchte, dass Elon Musk mit seiner Plattform und seiner politischen Agenda scheitert.

Nun bin ich natürlich ein niemand. Nicht wichtig. Also nicht im Sinne der Weltöffentlichkeit. Für meine Freunde und Bekannten aber bin ich schon wichtig. Sehr sogar. Ich glaube fest daran, dass jede/r einzelne von uns Einfluss auf unmittelbare Kollegïnnen und Freunde hat. Wenn ich mit meinem Account nicht mehr bei X bin, ermutige ich vielleicht andere ebenfalls dazu, ihren Account dicht zu machen. Je größer das Netzwerk der Person, die ihren Account löscht, desto mehr Menschen, die sich dann vielleicht ebenfalls diesen Schritt zutrauen. Ich weiß, es tut weh.

Aber je mehr Leute sich dazu entscheiden, X den Rücken zu kehren, desto weniger Anreize gibt es für Werbetreibende, auf der Plattform Anzeigen zu schalten. Je weniger Unternehmen Anzeigen schalten, desto geringer ist die Chance, dass X überlebt. Je weniger Wirkmacht die Plattform in der öffentlichen Wahrnehmung hat, desto isolierter sind Musk und seine _Freunde_.

Mit gut 10k Followern hatte ich mir bei Twitter echt etwas aufgebaut. Meine berufliche Entwicklung hing entscheidend von diesem Netzwerk ab. Seit 2009 hatte ich dort einen Account. Aber wenn die App formerly known as twitter nun einem menschenverachtenden Irren gehört,

  • der ernsthaft infrage stellt, dass man Menschen aus Seenot retten sollte
  • der für die #fckAfD eine Wahlempfehlung ausspricht
  • der täglich Verschwörungsideologien verbreitet
  • der Rechtsextremen und Holocaust-Leugnern Raum gibt
  • der Hassrede eine Plattform und Reichweite bietet
  • der das Team vor die Tür setzt, das sich um die Integrität von Wahlen kümmert
  • der Schein-Abstimmungen auf X wiederum für Demokratie hält
  • der Widerspruch mit Kündigungen quittiert
  • der ehrwürdige journalistische Institutionen und deren Mitarbeiterïnnen als “Lügenpresse” diffamiert
  • der ehemalige Mitarbeiter als pädophil diffamiert
  • der sich immer und immer wieder sexistisch, frauenfeindlich, trans- und homophob äußert
  • der Antisemitismus befördert

… dann kann ich dort nicht weiter einen Account haben.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich ziehe mich nicht in meine private Komfortzone zurück und überlasse den Rechtsextremen das Feld. Das fehlt ja noch. Ich glaube nur nicht, dass ich auf X noch etwas ausrichten kann. X ist verloren. Niemand wird in ein paar Monaten X übernehmen und dafür sorgen, dass aus X wieder das alte Twitter wird. Die Plattform ist verbrannt. Die App ist Geschichte.

Ich bin Journalist, weil ich an einer aufgeklärteren, gerechteren und besser informierten Gesellschaft mitwirken möchte. Mit meinem Social Media Watchblog habe ich mir dafür einen guten Hebel aufgebaut. Wir berichten darüber, welchen Einfluss Social-Media-Plattformen auf Politik, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft haben. Viele Tausend Menschen lesen und schätzen unsere Analysen. Auch setze ich mich privat immer wieder für Demokratie und Menschenrechte ein. Auf Demos, mit Spenden und ehrenamtlichen Tätigkeiten.

Mit meiner Präsenz auf X bewirke ich aber quasi das Gegenteil von all dem, woran ich glaube und wofür ich morgens aufstehe, was ich meinen Kindern mitgeben möchte und wovon ich träume. Dass die Welt zusammenrückt, offen und frei ist, wir für Menschenrechte und demokratische Werte eintreten. Immer und überall.


Wenn du deinen Account auf X ebenfalls löschen möchtest, dann solltest du an folgende Dinge denken:

  • Lösche deine Direktnachrichten. Die sind dann zwar noch potentiell auf dem Gerät des Empfängers. Wenn das Gegenüber das gleiche tut, sind sie aber überall gelöscht.
  • Lösche deine Tweets. Luca Hammer hat ein Tutorial bei YouTubehochgeladen, mit dem sich kostenlos alle Tweets löschen lassen.
  • Luca hat ebenfalls ein tolles Tool gebaut, mit dem sich deine Followings auf anderen Plattform finden lassen: fedifinder.glitch.me
  • Lösche deine Listen.
  • Lösche dein Profilfoto.
  • Lösche deinen Account.

Lösche aber auf gar keinen Fall das Feuer, das in dir brennt, um die Welt ebenfalls zu einem besseren Ort zu machen. Auch wenn Elon Musk alles daran setzt, dass es erlischen möge.

Wir lesen uns.

Martin

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