Bluesky: Public by default

Wer Bluesky nutzt, tut dies in aller Regel mobil via Bluesky-App oder über die Desktop-Version im Browser. Es gibt aber noch andere Wege, um auf die Daten zuzugreifen, die Bluesky-Userïnnen produzieren: Über die API und über das Repo(sitorium), das alle Nutzerïnnen wie einen Rucksack mit sich herumtragen.

Im folgenden findest du einen Überblick, welche Daten an welcher Stelle zu finden sind:

Bluesky-App / Desktop-Version im Browser

Folgende Informationen können standardmäßig von allen bei Bluesky eingeloggten Userïnnen angesehen werden:

  • Display Name
  • Handle
  • Description / Bio
  • Profilfoto
  • Header-Foto
  • Anzahl der Follower
  • Anzahl der Accounts, denen man folgt – Following
  • Anzahl der Posts
  • Posts
  • Replies
  • Media
  • Feeds
  • Listen

API-Level

Auf API-Level können zudem Daten eingesehen werden, für die es bei Bluesky derzeit gar keine Anzeige-Funktion gibt. Über Drittanbieter-Tools wie ClearSky oder Twexit.nl lässt sich zusätzlich auf folgende Daten zugreifen:

  • Wen du blockst
  • Wer dich blockt
  • Mit welchen anderen Accounts du die gleichen Accounts blockst
  • Mit wem du interagierst
  • Welche Accounts auf deinen Listen stehen
  • Welche Handles du vorher benutzt hast (!)
  • Deinen Decentralized identifier, kurz DID

Repo-Level

Das Repo(sitorium) ist quasi eine Art Datenrucksack, den alle Nutzerïnnen mit sich herumtragen. Über Tools wie Bluesky Walker lässt sich das Repo von allen anschauen und herunterladen – auch ohne Account bei Bluesky.

Auf Repo(sitorium)-Level lässt sich zusätzlich neben den oben genannten auf folgende weitere Daten zugreifen:

  • Accounts, denen du folgst – in chronologischer Reihenfolge
  • Welche Posts du geliked hast – in chronlogischer Reihenfolge
  • Separate Anzeige von Reposts

Wenn du einen Post bei Bluesky löschst, dann verschwindet er (mittlerweile) auch aus deinem Datenrucksack. Wenn du einen Post bei Bluesky unlikest, dann verschwindet das Like auch aus deinem Repo. Jedenfalls gilt das für die Daten, die durch Tools wie Bluesky Walker sichtbar werden. Ob die Einträge wirklich zu 100 Prozent aus deiner Repo gelöscht werden, kann ich nicht nachvollziehen, ergänze es aber in diesem Post, sobald ich dazu mehr weiß.

Vorteile

Bluesky basiert auf dem AT Protocol. Bislang ist Bluesky die einzige Anwendung, mit der sich auf das Protokoll zugreifen lässt. Das soll sich künftig ändern.

Dann wäre es möglich, anstelle von Bluesky eine andere Anwendung zu nutzen, um auf das AT Protocol zuzugreifen, ohne dass der Account wieder neu aufgesetzt werden muss. Wir alle haben gerade beim Zusammenbruch von Twitter erlebt, wie nervenaufreibend es sein kann, seine alten Netzwerke wiederzufinden. Ein Datenrucksack macht dies sehr viel einfacher.

Leider ist noch nicht absehbar, wann es zu einer wirklichen Öffnung beim At Procol kommt. Zudem ist auch noch nicht zu sagen, ob und wie eine Förderierung mit Mastodon, WordPress.com oder Threads möglich sein wird, die jeweils das Activity Pub Protokoll nutzen.

Nachteile

Alles ist bei Bluesky per default öffentlich. Bluesky ist gebaut für öffentliche Kommunikation. Alle Daten lassen sich auch von Dritten ohne Account bei Bluesky einsehen, abrufen und herunterladen – ob manuell oder via Bot.

Dadurch könnten auch Dinge, die du zu einem späteren Zeitpunkt wieder gelöscht hast oder doch nicht mehr likest, weiter in einem Datensatz jenseits deiner Kontrolle verfügbar sein.

Auch sollten sich Bluesky-Userïnnen darüber im Klaren sein, dass ihre Daten von Drittanbietern genutzt werden, um eigene Anwendungen bereitzustellen. Hier gibt es einen Überblick über Tools, die auf das AT Protocol zugreifen.

Es ist ferner bislang nicht möglich, früher genutzte Handles zu löschen. Für Menschen, die großen Wert auf Datenschutz und Privatsphäre legen, ist das enorm problematisch.

Was ist bei Bluesky überhaupt privat?

Einige Dinge landen nicht in deinem Datenrucksack. Folgende Dinge teilst du nur mit Bluesky:

  • Display Settings
  • Die bei Bluesky hinterlegte E-Mail-Adresse
  • Wen du eingeladen hast via Invite Code
  • Wer dich zu Bluesky eingeladen hat via Invite Code
  • Mute-Listen und wen du gemuted hast
  • Moderationseinstellungen

Was muss ich noch wissen?

  • Wenn du Drittanbieter-Tools wie deck.blue nutzen möchtest, solltest du dir dafür ein extra App-Passwort einrichten lassen. Wichtig: App-Passwörter haben nahezu die selben Kapazitäten wie dein eigentliches Passwort mit den zwei Ausnahmen, dass darüber dein Konto nicht gelöscht oder weitere App-Passwörter generiert werden können.
  • Bösartige Drittanbieter können über die App-Passwörter an deine E-Mail-Adresse gelangen. Also immer obacht, welche Tools du nutzt.

Tools

Diskussion

Ich bin kein Coder, vielleicht habe ich in dieser Zusammenstellung Dinge nicht richtig dargestellt oder verstanden. Wenn dem so ist, dann werde ich das hier gern transparent korrigieren. Für die Diskussion gern diesen Post bei Bluesky nutzen. Danke!

Ich haben meinen Account bei Twitter / X gelöscht

Liebe Freunde, liebe Kollegïnnen

Ich habe mich dazu entschieden, meinen Account bei Twitter zu löschen. Wer mit mir in Kontakt bleiben möchte, folgt mir am besten bei Bluesky, Mastodon, Instagram oder Substack.

Lange Zeit dachte ich, das mit Musk beruhigt sich wieder. Der Spuk geht vorbei. Twitter wird bestimmt wieder so, wie es früher einmal war. Aber nichts wird wieder so, wie es war.

Elon Musk ist meines Erachtens nie angetreten, um aus Twitter eine Super-App zu bauen. Er verfolgt in meinen Augen eine politische Agenda. Es tritt damit genau das ein, wovor seit Jahren gewarnt wurde: Was passiert, wenn ein durchgeknallter Rechtsextremer eine der entscheidenen Social-Media-Plattformen übernimmt?

Bislang hatte es keiner geschafft, ein schlagkräftiges Social-Media-Angebot für die extreme Rechte aufzubauen. Gab, Parler, Truth Social — alles für die Tonne. Alles viel zu nischig. Twitter war weiter der zentrale Ort, an dem die Welt zusammenkam. Mit allen Höhen und Tiefen. Musk muss sich gedacht haben: Wenn ich einfach “Woke-Twitter” loswerde, dann habe ich mit einem Schlag das größte rechte Netzwerk der Welt. Et voilà — er ist fast am Ziel angekommen.

Nun lässt sich argumentieren, dass man doch bitte auf der Plattform bleiben sollte, um den Raum nicht den Rechtsextremen und Schwurblern zu überlassen. Dagegenhalten. Keinen Schritt weichen.

Auch ich habe lange Zeit gedacht, dass das die richtige Taktik ist. Doch ich bin mittlerweile anderer Meinung. Twitter, jetzt X, ist nicht der richtige Ort, um dagegenzuhalten. Der Grund liegt darin, wie die Plattform gebaut ist. X ist nicht für den Austausch von Argumenten konzipiert. Die App ist dafür gebaut, vor dem eigenen Publikum zu bestehen. X ist für Eskalation gebaut. Nicht für Dialog.

Wenn ich nun aber auf X mit Argumenten nix erreiche, dann performe ich nur vor all jenen, die eh schon meiner Meinung sind das ewig gleiche Schauspiel. Ja, damit kann ich womöglich weiter als persönliche Marke wachsen. Der Demokratie ist damit noch lange nicht geholfen. Und viel wichtiger: Ich legitimiere die Plattform. Ich sorge mit meiner Präsenz auf X dafür, dass Elon Musk Werbetreibenden erzählen kann, die App habe so und so viel täglich / monatlich aktive Nutzerïnnen. Bitte buchen Sie hier ihre Anzeigen.

Ich möchte mit meinem Account aber nicht länger dazu beitragen, dass X als relevantes Netzwerk erachtet wird. Ich möchte, dass Elon Musk mit seiner Plattform und seiner politischen Agenda scheitert.

Nun bin ich natürlich ein niemand. Nicht wichtig. Also nicht im Sinne der Weltöffentlichkeit. Für meine Freunde und Bekannten aber bin ich schon wichtig. Sehr sogar. Ich glaube fest daran, dass jede/r einzelne von uns Einfluss auf unmittelbare Kollegïnnen und Freunde hat. Wenn ich mit meinem Account nicht mehr bei X bin, ermutige ich vielleicht andere ebenfalls dazu, ihren Account dicht zu machen. Je größer das Netzwerk der Person, die ihren Account löscht, desto mehr Menschen, die sich dann vielleicht ebenfalls diesen Schritt zutrauen. Ich weiß, es tut weh.

Aber je mehr Leute sich dazu entscheiden, X den Rücken zu kehren, desto weniger Anreize gibt es für Werbetreibende, auf der Plattform Anzeigen zu schalten. Je weniger Unternehmen Anzeigen schalten, desto geringer ist die Chance, dass X überlebt. Je weniger Wirkmacht die Plattform in der öffentlichen Wahrnehmung hat, desto isolierter sind Musk und seine _Freunde_.

Mit gut 10k Followern hatte ich mir bei Twitter echt etwas aufgebaut. Meine berufliche Entwicklung hing entscheidend von diesem Netzwerk ab. Seit 2009 hatte ich dort einen Account. Aber wenn die App formerly known as twitter nun einem menschenverachtenden Irren gehört,

  • der ernsthaft infrage stellt, dass man Menschen aus Seenot retten sollte
  • der für die #fckAfD eine Wahlempfehlung ausspricht
  • der täglich Verschwörungsideologien verbreitet
  • der Rechtsextremen und Holocaust-Leugnern Raum gibt
  • der Hassrede eine Plattform und Reichweite bietet
  • der das Team vor die Tür setzt, das sich um die Integrität von Wahlen kümmert
  • der Schein-Abstimmungen auf X wiederum für Demokratie hält
  • der Widerspruch mit Kündigungen quittiert
  • der ehrwürdige journalistische Institutionen und deren Mitarbeiterïnnen als “Lügenpresse” diffamiert
  • der ehemalige Mitarbeiter als pädophil diffamiert
  • der sich immer und immer wieder sexistisch, frauenfeindlich, trans- und homophob äußert
  • der Antisemitismus befördert

… dann kann ich dort nicht weiter einen Account haben.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich ziehe mich nicht in meine private Komfortzone zurück und überlasse den Rechtsextremen das Feld. Das fehlt ja noch. Ich glaube nur nicht, dass ich auf X noch etwas ausrichten kann. X ist verloren. Niemand wird in ein paar Monaten X übernehmen und dafür sorgen, dass aus X wieder das alte Twitter wird. Die Plattform ist verbrannt. Die App ist Geschichte.

Ich bin Journalist, weil ich an einer aufgeklärteren, gerechteren und besser informierten Gesellschaft mitwirken möchte. Mit meinem Social Media Watchblog habe ich mir dafür einen guten Hebel aufgebaut. Wir berichten darüber, welchen Einfluss Social-Media-Plattformen auf Politik, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft haben. Viele Tausend Menschen lesen und schätzen unsere Analysen. Auch setze ich mich privat immer wieder für Demokratie und Menschenrechte ein. Auf Demos, mit Spenden und ehrenamtlichen Tätigkeiten.

Mit meiner Präsenz auf X bewirke ich aber quasi das Gegenteil von all dem, woran ich glaube und wofür ich morgens aufstehe, was ich meinen Kindern mitgeben möchte und wovon ich träume. Dass die Welt zusammenrückt, offen und frei ist, wir für Menschenrechte und demokratische Werte eintreten. Immer und überall.


Wenn du deinen Account auf X ebenfalls löschen möchtest, dann solltest du an folgende Dinge denken:

  • Lösche deine Direktnachrichten. Die sind dann zwar noch potentiell auf dem Gerät des Empfängers. Wenn das Gegenüber das gleiche tut, sind sie aber überall gelöscht.
  • Lösche deine Tweets. Luca Hammer hat ein Tutorial bei YouTubehochgeladen, mit dem sich kostenlos alle Tweets löschen lassen.
  • Luca hat ebenfalls ein tolles Tool gebaut, mit dem sich deine Followings auf anderen Plattform finden lassen: fedifinder.glitch.me
  • Lösche deine Listen.
  • Lösche dein Profilfoto.
  • Lösche deinen Account.

Lösche aber auf gar keinen Fall das Feuer, das in dir brennt, um die Welt ebenfalls zu einem besseren Ort zu machen. Auch wenn Elon Musk alles daran setzt, dass es erlischen möge.

Wir lesen uns.

Martin

Meine Rollen

Die Creator Economy ist ja wirklich ganz spannend: Die Idee, mit der Unterstützung von 1000 echten Fans den Lebensunterhalt zu bestreiten, löst etwas in mir aus. Keine Frage! Gleichzeitig zeigt sich, dass die Arbeit in der Creator Economy extrem viele Jobs mit sich bringt, die ich so vorher nicht selbst erledigen musste.

Da ich 2021 immer mal wieder an meine Kapazitätsgrenzen gestoßen bin, habe ich mit Blick auf mehr Selfcare im Jahr 2022 einmal alle Rollen aufgeschrieben, die ich aktuell in beruflicher Hinsicht innehaben. Vielleicht, so die Idee, lässt sich das eine oder andere abgeben, bzw. streichen, um dadurch wieder mehr Raum zu bekommen.

Folgende Rollen habe ich aktuell:

  • Autor: Lesen, verstehen, sortieren, aufschreiben
  • Redakteur: Briefing bauen & verteilen via Mailchimp, WordPress und Social
  • Chef: Prüfen, was die Kollegïnnen brauchen, Feedback geben, in Kontakt gehen
  • Buchhalter: Was geht rein? Was geht raus? Gehälter, Abos, Tools, Literatur…
  • Kundenbetreuer: Abos eintüten, Onboarding, Rechnungen schreiben…
  • Event-Manager: Speaker anfragen, Lectures planen, Teilnehmer onboarden, Durchführung
  • Service-Mitarbeiter: Steady-Abo-Rückfragen beantworten, Fragen zum Briefing, etc.
  • Marketing-Dude: Wie kriegen wir neue Abonnentïnnen? Koop-Anfragen? Social
  • Trainer: Anfragen beantworten, Konzepte schreiben, Durchführung, Nachbereitung
  • Admin: Website & Mailchimp pflegen, Tools verwalten
  • Grafiker: CI entwickeln, Teaser-Bilder gestalten, Share-Pics basteln…
  • Blogger: eigene Website, „zur Marke werden“, Interviews, Gastartikel
  • Netzwerker: Mit Kollegïnnen im Gespräch bleiben

Eine Menge Holz und letztlich alles ein Job für sich. Zudem habe ich das meiste ja nie gelernt, sondern mir nur irgendwie abgeschaut, angelesen, autodidaktisch erarbeitet.Von daher: Ja, Creator Economy ist cool, denn: „1000 true fans“ können irgendwie reichen. Aber keiner hat gesagt, dass es nicht mindestens genau so viel Arbeit ist. 😬

DJ für alles

Die Welt ist voller Stuff. Die Auswahl an Dingen ist unendlich. Es ist unmöglich, den Überblick zu behalten. Selbst die größten Experten können nicht alles kennen. Sie kennen aber in der Regel viel mehr als man selbst. Daher können sie allen anderen einen guten Dienst erweisen – das Zauberwort lautet Kuration.

Wenn mir der Style einer Person gefällt, dann gefällt mir wahrscheinlich auch das, was sie mir empfiehlt. Wir kennen das längst aus der Influencer-Mode-Welt. Die Idee: Das, was wir in der Mode-Welt erleben, gilt mittelfristig für alle Dinge auf dieser Welt. Wir brauchen Unterstützung, um eine Schneise durch das Konsum- / Info-Dickicht zu schlagen.

Du meinst, dass das Facebook, Instagram und Co mit ihren Algorithmen ganz prima für einen übernehmen? Ganz ehrlich: Nee. Was die ziemlich gut können, ist mir immer mehr vom gleichen zu servieren. Dir gefallen lustige Tier-Videos, there you go! Du magst Tanz-Choreos, hier hast du 27 weitere TikToks. Jeder ist seines News Feeds Schmied? Ja, vielleicht. Aber ich persönlich habe mir in all den Jahren immer noch keinen News Feed gebastelt, der mich inhaltlich so sehr bereichert, wie das Menschen tun.

Algorithmen suchen einfach permanent das aus, was möglichst viele andere auch interessiert hat. Masse, Masse, Masse. Geschmack ist aber sehr viel individueller. Nur weil 100.000 Menschen etwas geliked haben, muss mich das noch lange nicht berühren. Selbst wenn wir uns ansonsten vermeintlich für die gleichen Dinge interessieren. Serendipity können Algorithmen zudem so gut wie gar nicht. Wann hat dich das letzte Mal etwas auf Instagram oder Facebook wirklich überrascht? Ich gehe sogar davon aus, dass das von den Firmen auch gar nicht gewollt ist. Nutzerïnnen sollen so lange wie möglich auf der Plattform bleiben, so oft wie möglich die App öffnen. Wenn nun die Algorithmen einem permanent Zeugs in den News Feed spülen würden, der einen überrascht, dann laufen die Plattformen Gefahr, Nutzerïnnen zu verprellen. Den Anlegern gefällt das gar nicht.

Daher braucht es Menschen, die das übernehmen. DJs für alles sozusagen. Ja, natürlich gibt es auch DJs, die ein möglichst breites Publikum ansprechen wollen. Das können die gern machen. No bias. Es gibt aber eben auch jene, die sich so krass gut mit einer ganz bestimmten Musikrichtung auskennen, dass man sich einfach nur wundert, wo sie diesen ganzen Wahnsinn nun jetzt schon wieder ausgegraben haben. Genau das gleiche Prinzip lässt sich auf alles andere auch anwenden.

Du meinst, dass das Journalisten schon ganz gut machen würden? Jein. Klar, es gibt viele Journalistïnnen, die sich wirklich extrem gut in bestimmten Themen auskennen. In aller Regel arbeiten sie aber bei Publikationen, bei denen ebenfalls eine maximal breite Masse an Leuten angesprochen werden muss. Andernfalls funktioniert das Geschäft nicht. So können wirklich nischige Themen in aller Regel nicht ins Heft / Programm gehoben werden. Das rentiert sich einfach nicht. Dafür braucht es schon Special-Internet-Angebote. Genau diese funktionieren aber am Markt nur noch bedingt.*

Beispiel Musikmagazine. Auch hier arbeiten sehr fähige Leute. Mit wirklich überlebensfähigen Geschäftsmodellen überzeugen sie derzeit allerdings nicht. Blogger, YouTuber und Co haben längst ihre Jobs übernommen. Oftmals unbezahlt, immer häufiger aber auch getragen von einer interessierten Community via Steady, Patreon oder Tipping. Sie können es sich leisten, für ein sehr kleines Publikum zu arbeiten, weil ihre Fixkosten viel geringer sind als bei traditionellen Redaktionsstrukturen.

Das ist alles viel zu unsicher? Nun, da bin ich anderer Meinung. Wir haben beim Social Media Watchblog 1500 Abos an Privatpersonen verkauft. Zudem haben wir über 100 Institutionen, die für ihre Mitarbeiterïnnen unseren Newsletter einkaufen. Zusammen macht das 4500 „Arbeitgeber“. Wie viel mehr Sicherheit braucht man?

Fazit: Die Nische wird immer bedeutender. Ob und wie Legacy Media auf diesen Trend reagieren kann, sehe ich momentan nicht. Mein Bauch sagt mir, dass wir uns künftig immer stärker an Kuratoren jeglicher Art orientieren werden. Wer es schafft, sich zu einem Thema einen Namen zu machen, hat beste Chancen, genau diesem Thema hauptberuflich nachzugehen. Trust we.

*Öffentlich-Rechtliche Angebote bilden hier die Ausnahme – etwa Cosmo vom WDR oder 1xtra der BBC.

Tokio

Unser Social Media Watchblog zählt derzeit knapp 4500 zahlende Abonnentïnnen. Gut die Hälfte davon sind private Abos, die wir über Steady verkauft haben. Die anderen Subscriber stammen von institutionellen Kunden, die bei uns Team-Abos gebucht haben. Zu unseren „Firmenkunden“ zählen z.B. die Deutsche Welle, das ZDF, der NDR, Gruner+Jahr und viele weitere namhafte Häuser aus der deutschen Medienlandschaft. Seit einiger Zeit können wir mit unserem Newsletter aber auch immer stärker im politischen Betrieb Fuß fassen. Zwar steht es mir hier nicht zu, alle Häuser zu nennen. Sehr wohl mag ich aber kurz und knapp beschreiben, wie es sich anfühlt, wenn dein Newsletter auf einmal an E-Mail-Adressen aus London, Wien, Mumbai und Tokio geschickt wird: völlig irre! 💛🙏🏻☺️

Durchziehen

Vor rund zweieinhalb Jahren hatte ich mich dazu entschieden, das Social Media Watchblog in ein Paid-Angebot zu überführen. Durch viel Fleiß und einige glückliche Umstände ist aus dem ambitionierten Hobbyprojekt von damals nicht nur ein regulärer (selbst ausgedachter) Job geworden. Heute sitze ich hier und benote Bewerbungen (Teil-Aufgabe: Newsletter erspinnen) für eine der renommiertesten Journalistenschulen in Deutschland. What a journey. ☺️🙏🏻💛

Doppelt geimpft, Inzidenz bei Null, 32 Grad

So lange habe ich darauf gewartet, dass die Inzidenz endlich wieder bei Null in Göttingen liegt. Heute war es dann so weit. Dass ich dann auch noch genau jetzt doppelt geimpft bin und die Temperaturen bei 32 Grad liegen, ist der Hammer.

Creator Economy und Auszeiten

Was ist: Medien und Silicon Valley lieben die Creator Economy. Auch wir haben beim Social Media Watchblog vielfach über dieses neue Berufsfeld geschrieben, etwa hier und hier. Mehr noch: Wir sind Teil dieser Entwicklung. Ohne Plattformen wie Mailchimp, Twitter, Slack und Steady gäbe es das Social Media Watchblog nicht. Vor 13 Jahren formulierte Kevin Kelly eine scheinbar utopische Idee: „1000 true fans“ dazu bringen, monatlich für die eigene Arbeit zu bezahlen – und davon leben, selbstbestimmt und unabhängig. Dieser Traum ist für uns Realität geworden. Allerdings haben wir dabei eine Sache vergessen: Was ist, wenn wir einmal nicht liefern können?

Warum ist das interessant? Die Creator Economy fußt auf der Vorstellung, dass Leserïnnen, Hörerïnnen, Zuschauerïnnen, Supporter, Fans, Freunde, (…) ein Projekt so gut finden, dass sie nicht nur einmalig, sondern monatlich oder jährlich dafür zahlen. Bei einigen Projekten ist die finanzielle Zuwendung der Supporter wirklich eher als eine Art dauerhaftes Crowdfunding gedacht, ohne klar definierte Gegenleistung.

Bei uns verhält sich das anders. Zum einen verkaufen wir ein klar definiertes Produkt: Zweimal pro Woche verschicken wir einen Newsletter und ordnen die wichtigsten News und Debatten ein. Zum anderen haben wir nicht nur Supporter, die uns über Steady unterstützen, sondern auch institutionelle Kunden wie etwa das Auswärtige Amt oder die Deutsche Welle. Wir verkaufen nicht nur ein Gefühl, sondern Abos.

Wir fühlen daher eine große Verpflichtung, liefern zu müssen. Das ist aber nicht immer möglich. Etwa weil einer von uns krank ist, sich um Partnerin oder Familie kümmern muss oder es unvorhersehbare Betreuungsengpässe gibt – Corona lässt grüßen. Oder weil man schlichtweg mal ein paar Tage Auszeit braucht (andere nennen es Urlaub).

Da wir das Ding hier aber nun einmal zu zweit rocken, kann in solchen Fällen keine Kollegïn übernehmen. Die Folge: Hier und da ein bisschen Selbstausbeutung, #nichtnichtmüde und immer mal wieder das Gefühl, diesen Newsletter irgendwann einfach nur noch gegen die Wand schmeißen zu wollen.

Schließlich passiert im Hintergrund jede Menge, von dem die meisten gar nichts mitbekommen: Abonnentïnnen wollen betreut werden, Mailchimp und WordPress machen mal wieder Probleme, institutionelle Kunden haben wichtige Anliegen. Das Watchblog ist viel mehr als das Briefing, und das kann manchmal grenzwertig anstrengend sein.

Was also tun? Das Social Media Watchblog wäre nichts ohne die großartige Community, die sich um das Projekt versammelt hat. Seit der Gründung vor acht Jahren haben wir stets den Austausch mit unseren Leserïnnen gesucht. Auch diesmal sind wir – als klar war, dass der Newsletter Anfang Mai zwei Wochen pausieren wird – mit vielen von euch via Slack ins Gespräch gekommen. Die Diskussion lässt sich für Abonnentïnnen hier nachlesen.

Wir haben gefragt, wie wir mit kurzfristigen Ausfällen und dem generellen Bedürfnis nach Pause umgehen sollten. Eure Rückmeldungen waren eindeutig: Es geht beim Social Media Watchblog weniger um eine feste Anzahl an Ausgaben die Woche / im Jahr. Es geht vielmehr um Einordnung, Klarheit, Ansinnen, Haltung und Qualität.

Auch gab es den Hinweis, dass es ja mit der monatlichen Unterstützung gerade darum ginge, gegen die zum Teil selbstausbeuterischen Strukturen in der Medienwelt ein Zeichen zu setzen. Zudem wurden wir ermutigt, noch klarer zu kommunizieren: konkret an den Tagen, an denen wir ausfallen – und generell mit Blick auf den Deal, den man mit uns beim Abschluss eines Abos eingeht.

Was wir draus machen:

  • Zunächst möchten wir uns für das phänomenale Feedback und das Verständnis bedanken! Unsere Community ist wirklich die Beste!
  • Wir haben die Anregung aufgenommen, unsere Auszeiten klarer zu kommunizieren – sowohl auf unserer Steady-Seite als auch im FAQ auf unserer Homepage finden sich nun Hinweise.
  • Wir werden auch künftig keine E-Mails verschicken, in denen wir schreiben, dass wir heute kein Briefing verschicken. Die meisten von euch bekommen schon genug inhaltsleere E-Mails, zudem handelt es sich ja hoffentlich um seltene Ausnahmen. In unserer Slack-Gruppe sagen wir aber auf jeden Fall Bescheid, wenn wir ausfallen sollten. Zudem gibt es eine neue Seite, auf der du schauen kannst, ob das Briefing ausfällt: socialmediawatchblog.de/kommt-heute-ein-briefing.
  • Last but not least werden wir auch im Rahmen des Social Media Watchblogs ganz regulär Urlaub nehmen und uns vom Dienst abmelden, wenn wir krank sind.

Be smart: Wenn ich als freier Journalist das Gefühl habe, dass ich einmal eine Auszeit brauche, dann pitche ich keine neuen Geschichten. Das Tolle daran: Ich bin dann raus, kann machen, was ich will, bin niemandem etwas schuldig. Das Blöde daran: Ich werde in dieser Zeit auch nicht bezahlt.

Bei der Creator Economy – und damit auch bei uns beim Social Media Watchblog – verhält es sich anders: Wenn wir ausfallen, dann werden wir trotzdem bezahlt. Quasi Arbeitnehmer-gleich. Dieses Privileg schätzen wir sehr. Gleichzeitig brauchen auch wir einmal einen Tag frei oder noch besser: Urlaub. Beides war seit Einführung der Paywall vor 2,5 Jahren nie richtig eingepreist. Jetzt ist uns aufgefallen, dass das kein langfristig tragbares Modell ist. Danke für euer Verständnis!

Dieser Text ist zuerst in Briefing #722 erschienen.

Digitaler Garten 🪴

Am 12.10.2017 habe ich dir eine Email mit dem Titel „Goodbye Attention Economy“ geschrieben. Der Text liest sich heute wie ein Mission Statement für die Zeit, die folgen sollte. Und was soll ich sagen: der Text ist ziemlich gut gealtert.

Meine These, „dass wir künftig nur noch extrem große (internationale) Player und Abertausende super spezielle Nischenangebote im Web haben werden“, wird jeden Tag greifbarer.

Traditionelle Häuser wie die New York Times diversifizieren ihre Angebote immer stärker. Die Passion / Creator Economy sorgt dafür, dass immer mehr Nischenangebote verfügbar sind.
Auch die Idee, am „Social Media Watchblog (zu) schrauben und mehr darüber (zu) lernen, was es braucht, einen Service anzubieten, der unabhängig von den Interessen und Geldern Werbetreibender funktionieren kann“, hat sich als absolut richtig erwiesen.

Das Social Media Watchblog gilt heute als Vorzeigeprojekt, wenn es um den Newsletter-Hype geht. Unglaublich.

Dieser Text soll aber kein Bauchpinselkurs in eigener Sache werden. Vielmehr möchte ich dir ein Angebot machen.

Als ich 2012/2013 meinen persönlichen Newsletter startete, hatte das Ding nicht nur ein anderes Design 🙈 und die Welt noch kein TikTok. Die Intention, den Newsletter zu schreiben, war auch eine andere.

Es ging nicht darum, zu einer Marke zu werden. Das haben wir dann irgendwann alle daraus gemacht.

Es ging darum, andere am eigenen Wissen teilhaben zu lassen. Dass ich vom Newsletter schreiben / Bloggen irgendwann einmal leben könnte, war überhaupt nicht denkbar.

Gern möchte ich den Faden wieder aufnehmen und wieder regelmäßiger laut nachdenken. Dabei wird es viel um Medien gehen. Allen voran um die Erfahrungen, die ich als Indie-Publisher mache.

Dieser Newsletter wird aber kein redaktionelles Angebot zu einem ganz bestimmten Nischenthema. Dieser Newsletter ist eher ein Gesprächsangebot.

Es geht darum, wieder mehr zu bloggen, unfertige Gedanken zu teilen, Feedback für Ideen einzuholen, zu inspirieren, andere an Learnings teilhaben zu lassen…

Kollege Johannes Klingebiel brachte mich auf die Idee, den eigenen digitalen Garten wieder mehr zu kultivieren. Ein wunderbares Bild.

Wenn du magst, schicke ich dir also fortan wieder regelmäßiger eine persönliche Mail. Wenn nicht, dann kannst du dich gern aus dieser Liste austragen. Überhaupt kein Problem.

Merci, M ✌🏻

Quelle: Persönlicher Newsletter vom 17.3.2021

Serien-Empfehlungen (Twitter-Edition)

Der Lockdown wird ja noch ein Weilchen dauern. Das miese Wetter auch. Ein guter Zeitpunkt also, um eine neue Serie zu starten. Da es aber gefühlt dreitausend Optionen gibt, habe ich mal auf Twitter gefragt, welche Serie sich wirklich lohnt. Und was soll ich sagen: Twitter did its magic thing. Vielen Dank für die zahlreichen Empfehlungen. Jetzt muss ich mir nur noch aus 70 Vorschlägen eine raussuchen 🙈😊 Der Übersicht halber hier alle Serien in alphabetischer Ordnung mit entsprechendem Link auf die Beschreibung bei IMDB oder Wikipedia:

Neues Lieblings-Indie-Projekt: Veto Magazin

Was für ein wunderbares Indie-Projekt: Das Veto Magazin steht für Journalismus mit Haltung. Veto rückt all jene in den Fokus, die Dinge bewegen – und nicht ständig nur meckern. Engagierte gäbe es schließlich überall im Land. Wir müssten sie nur kennenlernen, so die Macher. Die ersten beiden Ausgaben machen definitiv Lust auf mehr. Wer ebenfalls mehr von Veto lesen möchte, sollte sie bei Steady unterstützen!

Manche Leute

Manche Leute posten Fotos aus dem OP.
Manchen Leute spielen Klavier auf Twitter.
Manche Leute haben Angst um ihre Partnerïn.
Manche Leute arbeiten an Impfstoffen.
Manche Leute spenden ihr Geld.
Manche Leute haben Panik.
Manche Leute feiern Parties.
Manche Leute arbeiten seit 24 Stunden.
Manche Leute haben Existenzängste.
Manche Leute leugnen die Situation.
Manche Leute hüpfen mit ihren Kindern übers Sofa.
Manche Leute haben zu wenig Geld für Seife.
Manche Leute ärgern sich über zu wenig Desinfektionsmittel.
Manche Leute kommen nicht rein.
Manche Leute kommen nicht raus.
Manche Leute spielen mit Ängsten.
Manche Leute haben sich infiziert.
Manche Leute geben Schuld.
Manche Leute hacken um die Wette.
Manche Leute haben Langeweile.
Manche Leute sind gute Politikerïnnen.
Manche Leute können nicht schlafen.
Manche Leute können nicht ins Home Office.
Manche Leute freuen sich über kostenfreie Software.
Manche Leute riskieren ihre Gesundheit.
Manche Leute leisten Freiwilligenarbeit.
Manche Leute schätzen jetzt die Arbeit von Lehrern.
Manche Leute haben keine Krankenversicherung.
Manche Leute haben nichts zu essen.
Manche Leute verkleiden sich im Videochat.
Manche Leute genießen die freie Zeit.
Manche Leute gehen nicht mehr aus dem Haus.
Manche Leute schmieden Pläne.
Manche Leute hören nicht auf, Nachrichten zu lesen.
Manche Leute sind Ignoranten.
Manche Leute sind an Covid-19 gestorben.
Manche Leute lernen gerade kochen.
Manche Leute haben ihren Job verloren.
Manche Leute können nicht operiert werden.
Manche Leute ärgern sich über zu wenig Auswahl auf Netflix.
Manche Leute umarmen sich.
Manche Leute tindern.
Manche Leute haben ihre Altersvorsorge verloren.
Manche Leute wären lieber in den Urlaub gefahren.
Manche Leute twittern unaufhörlich.
Manche Leute zählen die Infizierten.
Manche Leute sehen kein Licht am Ende des Tunnels.
Manche Leute gehen mit ihrem Hund raus.
Manche Leute helfen Fremden.
Manche Leute denken an die Zeit danach.
Manche Leute räumen ihre Wohnung auf.
Manche Leute sind in Quarantäne.
Manche Leute unterrichten ihre Kinder.
Manche Leute fahren Patrouille.
Manche Leute hamstern.
Manche Leute fühlen sich hilflos.
Manche Leute sind erschöpft.
Manche Leute arbeiten an Studien.
Manche Leute verlieren den Glauben.
Manche Leute beten.
Manche Leute sind nicht auf dieser Liste.

Diese Liste basiert auf echten Erfahrungen, die mir in den vergangenen Tagen in den Nachrichten, auf Social Media und privat begegnet sind. Fass Dir ein Herz: Du bist nicht die einzige Person, die genau das erlebt, was Du gerade durchmachst. Denke dran: Nicht jeder macht die gleichen Erfahrungen wie Du. Letztendlich stecken wir alle gemeinsam in dieser Situation.

Durch Kottkes Artikel inspiriert.

#Wirbleibenzuhause

Das Coronavirus hat die Welt fest im Griff. Weil die Fallzahlen weiter exponentiell steigen, werden zunehmend stärkere Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen: Geschäfte, Kneipen, Cafés und Restaurants sind dicht, Versammlungen untersagt. #Flattenthecurve lautet das Ziel, #Wirbleibenzuhause das Gebot der Stunde. Zumindest für alle, die es sich leisten können.

In Zeiten wie diesen wird mir besonders klar, wie maximal privilegiert ich durchs Leben gehe: Doppelverdienerhaushalt mit Jobs, die nicht von der Krise berührt sind, gesunde Kids, gesunde Großeltern, großzügige Altbauwohnung, wohnhaft in einer Universitätsstadt, deutscher Staatsbürger, weiß, männlich – die Liste ließe sich beliebig fortführen.

Meine Familie und ich können es uns leisten, zuhause zu bleiben. Wir empfinden das derzeit nicht als Einschränkung, sondern als Privileg. Vielleicht kannst du das auch. Falls dem so ist, dann ist es ein wirklich geringer Preis, den man zahlen muss, um Menschenleben zu retten.

Quelle: Studentenwerk Göttingen

Yes I

Wir schreiben das Jahr 2020. Die 90er sind jetzt genauso weit weg wie das Jahr 2050. Beides fühlt sich strange an. Dieses Blog neu aufzusetzen, hingegen überhaupt nicht. Klar, ich könnte auch auf Insta Stories teilen, auf Twitter ranten, auf LinkedIn performen, bei TikTok tanzen, für YouTube Reaction-Videos drehen. Mache ich auch alles irgendwie. Aber dieses Blog ist mein Hafen. Mein Hoheitsgebiet. Hier kann ich nachdenken. In Ruhe. Ohne mich um die Spielregeln und Dynamiken der Plattformen zu scheren.

2008 habe ich mit dem Bloggen begonnen. Zunächst ging es um Musik. Um Dubstep und Reggae, um genau zu sein. Erste Freundschaften in die Blogger-Szene wurden geknüpft – etwa zu Peter und Nilo, zu Johannes oder auch zu Rene und Ronny. Später machte ich dann aus martone 120sekunden – es ging jetzt mehr um Netzkultur und Journalismus. Wieder ein paar Jahre später wechselte ich ins Team Blogrebellen – Pläne für die Welteroberung wurden geschmiedet. Doch mit zunehmender Professionalisierung meinerseits – mittlerweile als Volontär beim ZDF unter Vertrag – verschob sich abermals der Fokus: das Social Media Watchblog wurde geboren.

2010 wurde mir bewusst, dass soziale Medien zu einem elementaren Bestandteil des Mediensystems werden würden – sowohl hinsichtlich der Verbreitungsmöglichkeiten für Medienschaffende als auch mit Blick auf reguläre Nutzer, die über Facebook, Twitter und Co die Option bekamen, sich publizistisch auszutoben.

Um der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Bedeutung der sozialen Medien – und insbesondere der Firmen, die dahinter stecken – mehr Beachtung zu schenken, trat ich an meine Schweizer Twitter-Bekanntschaft Konrad Weber mit der Idee heran, ein eigenes Blog zu gründen.

Zunächst hatten Konrad und ich noch davon geträumt, eine Website aufzubauen, die als eine Art Wiki für all die Themen rund um Social Media fungieren sollte – eine Anlaufstelle für Bürger und Medienmacher gleichermaßen. Recht schnell stellten wir jedoch fest, dass wir neben unserer eigenen Arbeit beim ZDF, respektive dem SRF, nicht genug Zeit haben würden, eine derart aufwändige Plattform aufzubauen.

In der Folge beschlossen wir, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: einen kuratierten Überblick über die wichtigsten News und Debatten rund um Social Media – gern angereichert mit eigenen Ideen und Meinungen: das Briefing.

Durch die rasant wachsende Bedeutung von Social-Media-Plattformen für Akteure aus den Bereichen Medien, Politik und Wirtschaft wurde unser Newsletter unter Kollegen gern und oft weiterempfohlen: über 6000 Menschen haben unseren Newsletter in all den Jahren ausprobiert, ohne dass wir einmal dafür im eigentlichen Sinne Werbung gemacht hätten.

Heute – nach Stationen beim ZDF (Frontal 21, heute.de) und SPIEGEL (bento) – lebe ich vom Bloggen – genauer gesagt davon, dass ich zusammen mit meinem Kompagnon Simon Hurtz zweimal die Woche einen Newsletter an rund 3000 5000 zahlende Abonnentïnnen verschicke: Steady und Firmenkunden sei Dank.

Soweit, so wunderbar. Doch die Sache hat einen Haken. Die Professionalisierung meiner Blogger-Leidenschaft hat mich auch ein Stück weit vom eigentlichen Kern des Bloggens abgebracht: der ungezwungenen Dokumentation von Alltagsbeobachtungen, nicht unbedingt zu Ende gedachten Gedanken, mal eben aus der Hüfte geschossenen Fotos, Artikel- und Buchempfehlungen, Mixtapes, spannenden Dokus, interessanten Tools, und, und, und.

Die Neuauflage meines Blog soll genau dafür der Ort sein. Denn auch wenn all die eben aufgezählten Bedürfnisse via Twitter, Facebook, Insta und Co befriedigt werden könnten, dort natürlich auch viel unmittelbarer ein Publikum gefunden werden kann, gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als eine selbstgebaute, individuelle Publikation sein eigen nennen zu dürfen. Das primäre Ziel dieses Blogs ist also eine Wirkung nach innen. Sollte hier jemand trotzdem spannende Inhalte für sich entdecken, freut mich das natürlich. Aber grundsätzlich ist das hier eine Performance-befreite Zone.

Yes I ✊🏻

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