Der Wettbewerb um Mobile Video zwischen YouTube, Facebook, Instagram, Snapchat und Twitter

Martin

Was ist: Wir erleben aktuell einen spannenden Wettbewerb zwischen Facebook, Snapchat, Twitter und YouTube in Sachen "Mobile Video".

Warum ist das interessant?

  • Zahlen aus dem Internet Trend Report unterstreichen, dass die Werbeindustrie natürlich dort ihr Geld am liebsten investiert, wo die Nutzer am meisten Zeit verbringen. In den letzten fünf Jahren haben wir deshalb in Sachen Werbebudgets vor allem einen massiven Shift hin zu Mobile erlebt. Nutznießer dieses Trends sind vor allem die Social-Media-Plattformen, die es nach wie vor schaffen, einen Großteil der Zeit, die Menschen auf die mobile Internetnutzung verwenden, auf sich zu lenken.
  • Der zweite wesentliche Trend ist der, dass mit regulären Anzeigen nicht mehr so viel wie noch vor einigen Jahren zu verdienen ist. Vielmehr richtet sich der Blick auf die Werbebudgets, die klassischerweise ins Fernsehen investiert werden. Da sich nun aber Kids und Millenials weniger stark für klassische Programme interessieren, sondern vermehrt Videos auf Plattformen konsumieren, ist ein enormer Wettbewerb um eben jene Werbegelder entbrannt.

Wer hat bislang die Nase vorn? Aktuell ist unter den Social-Media-Plattformen YouTube noch der Platzhirsch, wenn es um Werbung im Segment "Mobile Video" geht. Gleichwohl attackieren sowohl Snapchat als auch Twitter, Facebook und Instagram den Platzhirschen unentwegt und versuchen mit unterschiedlichen Strategien einerseits der Fernsehbranche, andererseits aber auch YouTube das Wasser abzugraben.

Der Erfolg von YouTube:

  • YouTube ist in Sachen "Mobile Video" die populärste App – sowohl bei den Nutzern als auch bei den Kreativen, was wiederum beides unmittelbar miteinander zusammenhängt und genau der Grund ist, warum YouTube so eine enorme Bedeutung im Bereich Mobile Video erlangt hat.
  • Kreative schätzen die Plattform für die Möglichkeiten, die eigenen Inhalte dort monetarisieren zu können. Zwar hat YouTube die Messlatte etwas höher gehängt, um auf der Plattform Geld verdienen zu können, aber letztlich sind die Optionen, die YouTube bietet, noch ohne Vergleich.
  • Auch schätzen Kreative, dass YouTube, als zweitgrößte Suchmaschine hinter Google, solide Optionen anbietet, überhaupt mit seinen Inhalten entdeckt werden zu können. Schon einmal bei Facebook etwas gesucht? Genau.
  • Zudem können Kreative durch die direkten Abo-Funktionen sehr gut Fan-Communities aufbauen – anders als etwa bei Facebook, wo man bekanntermaßen selbst dann, wenn man Fan wird, noch lange nicht alle Inhalte auch präsentiert bekommt.

Die Strategien der Social-Media-Plattformen:

  • Facebook versucht derzeit auf verschiedenen Wegen, Geld von YouTube, respektive den Fernsehsendern abzuziehen. Einerseits versuchen sie das Stories-Format auch auf Facebook populär zu machen. Der Grund: Bei Stories lässt sich prima Werbung zwischen den einzelnen Stories schalten. Zudem versucht Facebook mit Watch einen eigenen Hafen für Video-Inhalte auf Facebook zu bauen. Das Problem hierbei: die Videos, die für Watch produziert werden, kommen noch in erster Linie von traditionellen Medienunternehmen. Es sind aber eben gerade die Influencer, die im Bereich Mobile Video die nötige Anziehungskraft besitzen. Facebook Watch hingegen konkurriert gefühlt eher mit Netflix, Amazon Prime, Apple und Co…
  • Instagram hat jüngst IGTV angekündigt – eine speziell für Videos mit bis zu 60 Minuten Länge gebaute App, die sowohl als Standalone funktioniert, als auch via Instagram erreicht werden kann. Der Clou an der App besteht sicherlich darin, dass sie komplett auf die mobile Nutzung ausgerichtet ist – sprich die Videos im Hochformat sind. Auch versucht Instagram mit dieser App zunächst eher Content Creator abzuholen – Marques Brownlee etwa zeigt sich ganz angetan – und ist nicht so sehr in erster Linie darauf aus, traditionelle Medienunternehmen auf die Plattform zu holen oder deren Moderatoren, etc… Bislang ist noch nicht klar, welche Monetarisierungs-Optionen Instagram den Kreativen an die Hand geben wird. Wenn sie das jedoch hinkriegen, könnte IGTV zu einer echten Konkurrenz für YouTube werden.
  • Snapchat hingegen tut sich schwer mit Kreativen und setzt – so sieht es jedenfalls derzeit aus – eher auf reguläre Nutzer. Zwar wird auch hier im Bereich Discover oder eben innerhalb der einzelnen Stories bereits Video-Werbung geschaltet, aber die Anziehungskraft für Content Creator hält sich weiterhin in Grenzen, YouTube dominiert.
  • Twitter ist wieder einmal ein Sonderfall. Zwar hat es Twitter geschafft, einzelne News-Angebote und Live-Sport-Events auf die Plattform zu holen und tütet dadurch den einen oder anderen Video-Werbedeal ein, aber Kreative, die für YouTube so einen elementaren Einfluss auf den Erfolg der Plattform haben, nutzen Twitter lediglich zur Verbreitung ihrer Botschaften, nicht aber als Ort, um ihre Videos direkt erlebbar zu machen.

Be smart: Der Video-Boom scheint seit Jahren ungebrochen. Während Netflix, Amazon und andere Streaming-Dienste Milliarden für originären Content ausgeben (siehe hierzu: Netflix-onomics), traditionelle Medienunternehmen sich mit Mobilfunkunternehmen zusammentun, um High Quality Serien und Shows als Bonus für Subscriptions anbieten zu können, hängt der Erfolg von "Mobile Video" bei den Social-Media-Plattformen vor allem davon ab, wo die Kreativen ihre Inhalte präsentieren. Aktuell sieht es so aus, als würde sich an dieser Stelle ein Zweikampf zwischen YouTube und Instagram entwickeln – für viel mehr Anbieter wird dann aber auch schon kein Platz mehr sein. Schauen wir mal, was bei Insta in den kommenden Monaten passiert. Ansonsten sieht es so aus, als würde YouTube an dieser Stelle weiter das Rennen machen.

Studie zur Ökobilanz von Fleisch, Eiern, Milch und pflanzlicher Ernährung

Martin

Joseph Poore (Uni Oxford) und Thomas Nemecek (Schweizer Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung) haben analysiert, wie groß der Einfluss menschlicher Ernährung auf die Umwelt ist. Das Ergebnis: Würden alle Menschen sich fortan vegan ernähren, könnte ein Großteil der Treibhausgase eingespart werden. Der Standard schreibt:

Die Ökobilanz zeigt, dass Fleisch und Milchprodukte zwar nur 18 Prozent der Kalorienmenge umfassen und 37 Prozent des Eiweißkonsums decken. Doch ihre Herstellung benötigt 83 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen und erzeugt 60 Prozent der Treibhausgase.

Die folgende Grafik zeigt, wie groß die Unterschiede bei der Herstellung von 100 Gramm Protein sind. Eigentlich unglaublich, dass wir Menschen so viel Fleisch fressen mit Blick auf die Konsequenzen, die sich daraus ergeben für die Umwelt und das Tierwohl*.

The Future of News

Martin

Kollege Baekdal über aktuelle PEW-Zahlen zur Zirkulation von Zeitungen und zur Frage, was die seit Jahren sinkenden Auflagen für die Zukunft des Journalismus bedeuten:

So, what does this all mean for the future? Well, there are three things that are happening in terms of future trends.

  • The first thing is that this will likely cause even more atomization of future news media, where a larger and larger part of the paid-for media landscape is likely going to much smaller and more specific niche verticals. Instead of people paying for a mass-market generalized newspaper, we are likely to see people spending money on much smaller channels that are tailored towards specific interests or needs. This model, however, doesn’t work for generalized news. So that’s a problem.
  • Secondly, we are seeing an interesting trend in terms of curation, where people are seperating how they consume news depending on how personally relevant it is. Instead of getting a lot of stories about daily news topics, we see more and more who are redefining news as very efficient short-form moments. If this pattern takes hold, today’s economic model of news production will be seriously disrupted. Think about how a news site like Axios is covering stories compared to how they are doing it at The New York Times.
  • Finally, a big unanswered problem for the future is the trend that we are losing a ‚common frame of reference‘. This was what the newspapers of the past gave us. They provided people with a general common frame of reference, so whenever a topic arose people would have a shared understanding of it.

Quelle: Baekdal

Weil Textverzicht die Verlage nicht retten wird

Martin

Abgesehen davon, dass die lautesten Kritiker von öffentlich-rechtlichen Textinhalten Vertreter hochprofitabler Medienkonzerne sind, ist öffentlich-rechtliche Konkurrenz kein Grund für wirtschaftliche Probleme einzelner Verlag(sangebot)e. Das lässt sich in den USA beobachten, wo das Zeitungssterben besonders weit fortgeschritten ist, es aber keine nennenswerte öffentlich-rechtliche Konkurrenz gibt.

Quelle: Neues aus dem Fernsehrat [netzpolitik]

Die Strategie hinter den Umbrüchen im US-Medienmarkt

Martin

Was ist: Der US-Medienmarkt befindet sich gerade in einem ziemlich krassen Umbruch: reihenweise verkaufen Medien-Mogule ihre Firmen an Telekommunikationsanbieter oder noch größere Medienunternehmen.

Die Idee dahinter ist stets die gleiche:

  • Es gilt eine direkte Verbindung zum Nutzer aufzubauen
  • Inhalte sind dabei Mittel zum Zweck
  • Um (a) entweder Verträge über Mobilfunk oder Internetanschlüsse zu verkaufen
  • (b) Abos an den Mann / die Frau zu bringen
  • (c) Oder Werbung möglichst zielgenau auszuspielen

Stichwort Targeting: Gerade mit Blick auf die Ausspielung von zielgenauer Werbung, ein Geschäft, das ansonsten vor allem von Google und Facebook dominiert wird, sehen Telekommunikationsunternehmen wie AT&T ein riesiges Potential – kein Wunder, wissen sie doch so viel über ihre Kunden, dass sie einer der Lieblingspartner der NSA sind. Aber letztlich ist das auch das Erfolgsgeheimnis von Netflix und Amazon – je mehr die Unternehmen über ihre Kunden wissen, desto besser können sie ihre eigenen Produkte auf die Konsumwünsche der Nutzer ausrichten.

Das Problem dabei: Je nachdem welches Geschäftsmodell am erfolgreichsten ist (A,B oder C), verkommen Inhalte damit nur noch zur Marketingmaßnahme, um neue Kunden für die Datenverträge zu gewinnen.

Plus: Diese Grafik von recode zeigt sehr gut, wie es um das aktuelle Marktvolumen der jeweiligen Unternehmen bestellt ist und wo sich neue Zusammenschlüsse auftun – etwa zwischen AT & T und Time Warner, sowie zwischen 21st Century Fox und Disney.

Über die Arbeit von Content Moderatoren bei Facebook

Martin

Was ist: Ich hatte das Vergnügen mit den beiden Regisseuren von The Cleaners über ihren Film zur Arbeit von Content Moderatoren bei Facebook und YouTube zu sprechen.

Warum ist das interessant? Die investigative Dokumentation von Hans Block und Moritz Riesewieck zeigt auf eindrückliche Weise, wie kaum geschultes Personal darüber entscheidet, was wir auf Facebook sehen – und was nicht.

Was erfährt man in der Doku, was noch nicht bekannt war? Die Dokumentation ist extrem vielschichtig, ich habe unglaublich viel gelernt – im Film und im Interview mit den beiden Regisseuren, einige Beispiele:

  • Content Moderatoren in Manila müssen 25.000 Bilder pro Tag sichten
  • Sie dürfen Bilder überspringen, dann gilt es allerdings als Fehler
  • Wer mehr als drei Fehler pro Monat macht, wird vom Vorgesetzten überprüft
  • Content Moderatoren in Manila bekommen lediglich 3-5 Tage lang eine Einweisung
  • Dann müssen sie das mindestens 100-Seiten umfassende Regelwerk von Facebook verinnerlicht haben
  • Behalten dürfen sie es nicht, weil die Angst zu groß sei, dass jemand das Regelwerk leaken könnte
  • Auf der Liste, der zu sperrenden Inhalte sind verschiedene Terrororganisationen aufgeführt.
  • Erstellt wurde die Liste von Behörden der USA.
  • Bedeutet: Die USA definiert für mehr als 2 Milliarden Menschen, was Terror und was Freiheitskämpfer ist.
  • Viele Content Moderatoren leiden an Posttraumatischen Belastungsstörungen
  • Psychologische Betreuung aber ist an Standorten wie Manila marginal
  • Einmal im Monat gibt es ein Gespräch, bei dem gefragt wird, wie es den Mitarbeitern.
  • Aus Sorge um ihren Job, redet kaum jemand über seine psychologischen Probleme.
  • Die Selbstmordrate ist in der Branche außergewöhnlich hoch.

Ach so: An zwei Stellen haben sich in unserem Gespräch übrigens Fehler eingeschlichen:

  • Erstens sind es natürlich „nur“ etwas mehr als zwei Milliarden Facebook-Nutzer und nicht drei Milliarden
  • Zweitens gehören laut Facebook zu den bald 20.000 Mitarbeitern im Bereich Sicherheit tatsächlich eben auch jene Moderatoren, über die es im Film The Cleaners geht.

Wann kann man den Film sehen? Der Film wird unter anderem auf der re:publica gezeigt, kommt dann Mitte Mai regulär in die Kinos. Wer mag, kann sich hier über die Aufführungstermine informieren.

Facebook konkretisiert News Feed Umbau: Ab jetzt „trusted sources“, informative und lokale News mit mehr Reichweite

Martin

An dieser Stelle nur ganz kurz und am Montag dann ausführlicher im Briefing: Es gibt ein Update zum News Feed Umbau, das sich vor allem der Frage widmet, welche News künftig im News Feed der Nutzer auftauchen. Here we go:


„Trusted Sources“ FTW

Was ist? Der News Feed Umbau wird konkret. In einem Facebook-Post erklärt Mark Zuckerberg, dass Facebook-Nutzer künftig vor allem News von sogenannten „trusted sources“ in ihrem News Feed sehen werden.

Was sind „trusted sources“: Nutzer entscheiden in Form eines Rankings, wie vertrauenswürdig eine Quelle ist. Eben jene bekommen künftig mehr Reichweite im News Feed. Zum Teil wurden Nutzer in den vergangenen Monaten bereits dazu aufgefordert, Quellen zu bewerten.

Was heißt das für Publisher und Fanpage-Betreiber von News-Seiten? Alle News-Quellen, die von Facebook nicht als „trusted source“ eingestuft wurden, werden wohl sehr viel weniger Sichtbarkeit bekommen. Zitat: „Publications that do not score highly as trusted by the community may see a decrease.“ Darf man wohl als Euphemismus werten.

Was ist die Idee dahinter? Zuckerberg verspricht sich davon, Missinformationen, Propaganda und Fake News Herr zu werden, um so die Zeit, die Nutzer auf Facebook verbringen wieder zu einer „time well spent“ werden zu lassen. Hier im Briefing mehr zu der Idee hinter „time well spent“.

Was ändert sich noch? Neben der Aufwertung von News-Angeboten, die als „trusted sources“ eingestuft wurden, bezieht Facebook noch zwei andere Faktoren mit in die Kalkulation ein hinsichtlich der News, die im News Feed auftauchen:

  1. Informative News werden künftig ebenfalls höher gerankt. Auch hier entscheidet der Nutzer darüber, was vermeintlich informativ ist und was nicht.
  2. Lokale News bekommen ebenfalls einen Push hinsichtlich der Sichtbarkeit im News Feed. Etwas, dass sich die Nutzer sehr gewünscht hätten, teilt Facebook mit.

Wann kommen die Änderungen? Die Änderungen werden zuerst in den USA eingeführt, sollen aber sukzessive international greifen.

Wie groß sind die Veränderungen Zuckerberg zufolge beträgt der Anteil von öffentlichen Inhalten im News Feed der Nutzer aktuell durchschnittlich 5 Prozent. Künftig soll dieser Anteil nur noch 4 Prozent betragen – aber eben vor allem Inhalte, die den neuen Kriterien entsprechen.

Be smart: Facebook scheint mit diesem News Feed Umbau alle Verantwortung an die Technik und an die Nutzer abwälzen zu wollen. Sie wollen anscheinend unbedingt dafür Sorge tragen, nicht als diejenigen wahrgenommen zu werden, die darüber entscheiden, welche Nachrichten-Quellen im News Feed auftauchen. Mit anderen Worten: Sie wollen kein Medienunternehmen sein, das entsprechende Regulierung zu befürchten hätte. Lieber soll die Community in Form von repräsentativen Votings entscheiden, was vertrauenswürdige News-Quellen sind. Sobald diese Daten vorhanden sind, entscheidet dann der Algorithmus – und der ist schließlich frei von Bias, so das offenkundig weiterhin gelebte Mantra bei Facebook. Sind die Intentionen auch nicht die Schlechtesten – nämlich dem Nutzer qualitativ hochwertige News liefern zu wollen –  bleibt abzuwarten, wie das funktionieren kann. Bei 2 Milliarden Nutzern scheinen die Methoden zuweilen fast etwas naiv – ist doch durchaus denkbar, dass Nutzer schnell Angebote wie RT, Junge Freiheit und Co ebenfalls als vertrauenswürdig einschätzen.