Twitter is not your friend

Martin

Twitter is not your friend. It is built to reward us for snarky in-group communication and designed to encourage unintended out-group readership. It fosters both tribalism and tribal collision. It seduces you into thinking you’re writing for one community but it gives everyone the ability to search your words and project them forward in time and space and outward into another community at the point when it’ll do you maximum damage. It leaves you explaining jokes that can’t be explained to employers that don’t like jokes anyway.

Quelle: The problem with Twitter, as shown by the Sarah Jeong fracas

Der Kampf gegen Desinformationen bei WhatsApp

Martin

Was ist: Über 200 Millionen Nutzer verzeichnet WhatsApp in Indien. Der Messenger wird dort nicht nur privat genutzt, sondern ist auch für politische, religiöse, medizinische und juristische Kommunikation die Plattform der Wahl. Dazu kommen Tausende Falschnachrichten, die entweder politisch motiviert sind, oder im schlimmsten Fall aus schierer Boshaftigkeit lanciert werden und dazu führen, dass unschuldige Menschen von aufgebrachten Mobs gelyncht werden.

Warum ist das interessant? Die Fälle, in denen Menschen aufgrund von Falschnachrichten nicht nur drangsaliert, sondern gar ums Leben gebracht werden, häufen sich – allein deshalb sollte WhatsApp, respektive Facebook, daran ein genuines Interesse haben, Dinge zu ändern. Zusätzlich hat Facebook sich ja bereits spätestens seit der US-Wahl dem Kampf gegen „Fake News“ verschrieben und erreicht eigenen Aussagen zufolge auch mit Blick auf den hauseigenen News Feed zunehmend bessere Ergebnisse. Bei WhatsApp aber, dessen größtes Feature ja die Verschlüsselung der Nachrichten per default ist, ist es ungleich schwerer, der Verbreitung von Falschinformationen Herr zu werden.

Was könnte WhatsApp denn ändern? Es gibt keine einfachen Lösungen für dieses Problem. Um so bemerkenswerter sind die Vorschläge, die Nikhil Pahwa in seinem Artikel macht. Hier Pahwas Vorschläge im Überblick:

  1. Nutzer können wählen, ob ihre Nachrichten öffentlich oder privat sein sollen. Die Default-Einstellung sollte privat sein. So könnte es erschwert werden, bestimmte Nachrichten weiter zu verbreiten.
  2. Der ursprüngliche Absender der Nachricht sollte erlauben dürfen, ob eine Nachricht weitergeleitet werden darf. So würde sichergestellt, dass der ursprüngliche Absender wirklich ein Interesse daran hat, die Nachricht weiterverbreitet zu sehen.
  3. Wenn jemand eine Nachricht öffentlich macht, sollte diese Nachricht eine spezielle ID bekommen. Dadurch könnte die Nachricht, einmal im Umlauf, wieder auf den ursprünglichen Absender zurückverfolgt werden.
  4. Nutzer sollten befähigt werden, öffentliche Nachrichten als Desinformation zu markieren. In der Folge könnte sich ein Team von WhatsApp diesen Nachrichten annehmen.

Ok. Klingt ganz gut. Und was unternimmt WhatsApp bislang? WhatsApp zeigt sich auf verschiedenen Ebenen bemüht, diese Probleme in den Griff zu bekommen. Der neueste Versuch besteht darin, Stipendien für Forscher aufzusetzen. Fair enough. Leider habe ich aber noch keine offiziellen Statements – vor allem auch hinsichtlich der Lynchmobs – von WhatsApp-Verantwortlichen gelesen. Falls ich da etwas übersehen habe, freue ich mich über Hinweise.

Wie werden denn bislang die Desinformationen gestoppt? Indien etwa bemüht sich mit Aufklärungskampagnen und versucht mit Journalisten für mehr „digital literacy“ zu sorgen. Auch versucht die Regierung, mittels Rechtsprechung Zeichen zu setzen. Es kommt aber auch vor, dass Indien das Internet einfach abschaltet: im Jahr 2017 passierte das 70 mal, in den ersten sechs Monaten im Jahr 2018 bereits 65 mal.

Tiefgang: Wer sich noch intensiver mit dem Thema auseinandersetzen möchte und wer verstehen möchte, welche Rolle WhatsApp in Südamerika, Afrika und Südostasien spielt, der sollte dieses Dosier von Tactical Tech lesen.

Dieser Artikel ist Teil des Social Media Watchblog Briefings, das ich jeden Dienstag und Donnerstag per Newsletter verschicke – wenn du magst, kannst du das Briefing hier abonnieren.

Der Wettbewerb um Mobile Video zwischen YouTube, Facebook, Instagram, Snapchat und Twitter

Martin

Was ist: Wir erleben aktuell einen spannenden Wettbewerb zwischen Facebook, Snapchat, Twitter und YouTube in Sachen "Mobile Video".

Warum ist das interessant?

  • Zahlen aus dem Internet Trend Report unterstreichen, dass die Werbeindustrie natürlich dort ihr Geld am liebsten investiert, wo die Nutzer am meisten Zeit verbringen. In den letzten fünf Jahren haben wir deshalb in Sachen Werbebudgets vor allem einen massiven Shift hin zu Mobile erlebt. Nutznießer dieses Trends sind vor allem die Social-Media-Plattformen, die es nach wie vor schaffen, einen Großteil der Zeit, die Menschen auf die mobile Internetnutzung verwenden, auf sich zu lenken.
  • Der zweite wesentliche Trend ist der, dass mit regulären Anzeigen nicht mehr so viel wie noch vor einigen Jahren zu verdienen ist. Vielmehr richtet sich der Blick auf die Werbebudgets, die klassischerweise ins Fernsehen investiert werden. Da sich nun aber Kids und Millenials weniger stark für klassische Programme interessieren, sondern vermehrt Videos auf Plattformen konsumieren, ist ein enormer Wettbewerb um eben jene Werbegelder entbrannt.

Wer hat bislang die Nase vorn? Aktuell ist unter den Social-Media-Plattformen YouTube noch der Platzhirsch, wenn es um Werbung im Segment "Mobile Video" geht. Gleichwohl attackieren sowohl Snapchat als auch Twitter, Facebook und Instagram den Platzhirschen unentwegt und versuchen mit unterschiedlichen Strategien einerseits der Fernsehbranche, andererseits aber auch YouTube das Wasser abzugraben.

Der Erfolg von YouTube:

  • YouTube ist in Sachen "Mobile Video" die populärste App – sowohl bei den Nutzern als auch bei den Kreativen, was wiederum beides unmittelbar miteinander zusammenhängt und genau der Grund ist, warum YouTube so eine enorme Bedeutung im Bereich Mobile Video erlangt hat.
  • Kreative schätzen die Plattform für die Möglichkeiten, die eigenen Inhalte dort monetarisieren zu können. Zwar hat YouTube die Messlatte etwas höher gehängt, um auf der Plattform Geld verdienen zu können, aber letztlich sind die Optionen, die YouTube bietet, noch ohne Vergleich.
  • Auch schätzen Kreative, dass YouTube, als zweitgrößte Suchmaschine hinter Google, solide Optionen anbietet, überhaupt mit seinen Inhalten entdeckt werden zu können. Schon einmal bei Facebook etwas gesucht? Genau.
  • Zudem können Kreative durch die direkten Abo-Funktionen sehr gut Fan-Communities aufbauen – anders als etwa bei Facebook, wo man bekanntermaßen selbst dann, wenn man Fan wird, noch lange nicht alle Inhalte auch präsentiert bekommt.

Die Strategien der Social-Media-Plattformen:

  • Facebook versucht derzeit auf verschiedenen Wegen, Geld von YouTube, respektive den Fernsehsendern abzuziehen. Einerseits versuchen sie das Stories-Format auch auf Facebook populär zu machen. Der Grund: Bei Stories lässt sich prima Werbung zwischen den einzelnen Stories schalten. Zudem versucht Facebook mit Watch einen eigenen Hafen für Video-Inhalte auf Facebook zu bauen. Das Problem hierbei: die Videos, die für Watch produziert werden, kommen noch in erster Linie von traditionellen Medienunternehmen. Es sind aber eben gerade die Influencer, die im Bereich Mobile Video die nötige Anziehungskraft besitzen. Facebook Watch hingegen konkurriert gefühlt eher mit Netflix, Amazon Prime, Apple und Co…
  • Instagram hat jüngst IGTV angekündigt – eine speziell für Videos mit bis zu 60 Minuten Länge gebaute App, die sowohl als Standalone funktioniert, als auch via Instagram erreicht werden kann. Der Clou an der App besteht sicherlich darin, dass sie komplett auf die mobile Nutzung ausgerichtet ist – sprich die Videos im Hochformat sind. Auch versucht Instagram mit dieser App zunächst eher Content Creator abzuholen – Marques Brownlee etwa zeigt sich ganz angetan – und ist nicht so sehr in erster Linie darauf aus, traditionelle Medienunternehmen auf die Plattform zu holen oder deren Moderatoren, etc… Bislang ist noch nicht klar, welche Monetarisierungs-Optionen Instagram den Kreativen an die Hand geben wird. Wenn sie das jedoch hinkriegen, könnte IGTV zu einer echten Konkurrenz für YouTube werden.
  • Snapchat hingegen tut sich schwer mit Kreativen und setzt – so sieht es jedenfalls derzeit aus – eher auf reguläre Nutzer. Zwar wird auch hier im Bereich Discover oder eben innerhalb der einzelnen Stories bereits Video-Werbung geschaltet, aber die Anziehungskraft für Content Creator hält sich weiterhin in Grenzen, YouTube dominiert.
  • Twitter ist wieder einmal ein Sonderfall. Zwar hat es Twitter geschafft, einzelne News-Angebote und Live-Sport-Events auf die Plattform zu holen und tütet dadurch den einen oder anderen Video-Werbedeal ein, aber Kreative, die für YouTube so einen elementaren Einfluss auf den Erfolg der Plattform haben, nutzen Twitter lediglich zur Verbreitung ihrer Botschaften, nicht aber als Ort, um ihre Videos direkt erlebbar zu machen.

Be smart: Der Video-Boom scheint seit Jahren ungebrochen. Während Netflix, Amazon und andere Streaming-Dienste Milliarden für originären Content ausgeben (siehe hierzu: Netflix-onomics), traditionelle Medienunternehmen sich mit Mobilfunkunternehmen zusammentun, um High Quality Serien und Shows als Bonus für Subscriptions anbieten zu können, hängt der Erfolg von "Mobile Video" bei den Social-Media-Plattformen vor allem davon ab, wo die Kreativen ihre Inhalte präsentieren. Aktuell sieht es so aus, als würde sich an dieser Stelle ein Zweikampf zwischen YouTube und Instagram entwickeln – für viel mehr Anbieter wird dann aber auch schon kein Platz mehr sein. Schauen wir mal, was bei Insta in den kommenden Monaten passiert. Ansonsten sieht es so aus, als würde YouTube an dieser Stelle weiter das Rennen machen.

Studie zur Ökobilanz von Fleisch, Eiern, Milch und pflanzlicher Ernährung

Martin

Joseph Poore (Uni Oxford) und Thomas Nemecek (Schweizer Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung) haben analysiert, wie groß der Einfluss menschlicher Ernährung auf die Umwelt ist. Das Ergebnis: Würden alle Menschen sich fortan vegan ernähren, könnte ein Großteil der Treibhausgase eingespart werden. Der Standard schreibt:

Die Ökobilanz zeigt, dass Fleisch und Milchprodukte zwar nur 18 Prozent der Kalorienmenge umfassen und 37 Prozent des Eiweißkonsums decken. Doch ihre Herstellung benötigt 83 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen und erzeugt 60 Prozent der Treibhausgase.

Die folgende Grafik zeigt, wie groß die Unterschiede bei der Herstellung von 100 Gramm Protein sind. Eigentlich unglaublich, dass wir Menschen so viel Fleisch fressen mit Blick auf die Konsequenzen, die sich daraus ergeben für die Umwelt und das Tierwohl*.

The Future of News

Martin

Kollege Baekdal über aktuelle PEW-Zahlen zur Zirkulation von Zeitungen und zur Frage, was die seit Jahren sinkenden Auflagen für die Zukunft des Journalismus bedeuten:

So, what does this all mean for the future? Well, there are three things that are happening in terms of future trends.

  • The first thing is that this will likely cause even more atomization of future news media, where a larger and larger part of the paid-for media landscape is likely going to much smaller and more specific niche verticals. Instead of people paying for a mass-market generalized newspaper, we are likely to see people spending money on much smaller channels that are tailored towards specific interests or needs. This model, however, doesn’t work for generalized news. So that’s a problem.
  • Secondly, we are seeing an interesting trend in terms of curation, where people are seperating how they consume news depending on how personally relevant it is. Instead of getting a lot of stories about daily news topics, we see more and more who are redefining news as very efficient short-form moments. If this pattern takes hold, today’s economic model of news production will be seriously disrupted. Think about how a news site like Axios is covering stories compared to how they are doing it at The New York Times.
  • Finally, a big unanswered problem for the future is the trend that we are losing a ‚common frame of reference‘. This was what the newspapers of the past gave us. They provided people with a general common frame of reference, so whenever a topic arose people would have a shared understanding of it.

Quelle: Baekdal

Weil Textverzicht die Verlage nicht retten wird

Martin

Abgesehen davon, dass die lautesten Kritiker von öffentlich-rechtlichen Textinhalten Vertreter hochprofitabler Medienkonzerne sind, ist öffentlich-rechtliche Konkurrenz kein Grund für wirtschaftliche Probleme einzelner Verlag(sangebot)e. Das lässt sich in den USA beobachten, wo das Zeitungssterben besonders weit fortgeschritten ist, es aber keine nennenswerte öffentlich-rechtliche Konkurrenz gibt.

Quelle: Neues aus dem Fernsehrat [netzpolitik]

Die Strategie hinter den Umbrüchen im US-Medienmarkt

Martin

Was ist: Der US-Medienmarkt befindet sich gerade in einem ziemlich krassen Umbruch: reihenweise verkaufen Medien-Mogule ihre Firmen an Telekommunikationsanbieter oder noch größere Medienunternehmen.

Die Idee dahinter ist stets die gleiche:

  • Es gilt eine direkte Verbindung zum Nutzer aufzubauen
  • Inhalte sind dabei Mittel zum Zweck
  • Um (a) entweder Verträge über Mobilfunk oder Internetanschlüsse zu verkaufen
  • (b) Abos an den Mann / die Frau zu bringen
  • (c) Oder Werbung möglichst zielgenau auszuspielen

Stichwort Targeting: Gerade mit Blick auf die Ausspielung von zielgenauer Werbung, ein Geschäft, das ansonsten vor allem von Google und Facebook dominiert wird, sehen Telekommunikationsunternehmen wie AT&T ein riesiges Potential – kein Wunder, wissen sie doch so viel über ihre Kunden, dass sie einer der Lieblingspartner der NSA sind. Aber letztlich ist das auch das Erfolgsgeheimnis von Netflix und Amazon – je mehr die Unternehmen über ihre Kunden wissen, desto besser können sie ihre eigenen Produkte auf die Konsumwünsche der Nutzer ausrichten.

Das Problem dabei: Je nachdem welches Geschäftsmodell am erfolgreichsten ist (A,B oder C), verkommen Inhalte damit nur noch zur Marketingmaßnahme, um neue Kunden für die Datenverträge zu gewinnen.

Plus: Diese Grafik von recode zeigt sehr gut, wie es um das aktuelle Marktvolumen der jeweiligen Unternehmen bestellt ist und wo sich neue Zusammenschlüsse auftun – etwa zwischen AT & T und Time Warner, sowie zwischen 21st Century Fox und Disney.