The Disinformation Machine

Martin

Das Video The Disinformation Machine zeigt in knapp zweieinhalb Minuten, wie Social-Media-Plattformen dabei helfen, Falschinformationen zu verbreiten.

Insbesondere Akteure aus dem rechten Spektrum machen von Facebook, YouTube, Instagram und Twitter massiv Gebrauch, um ihre Botschaften zu lancieren – häufig mit großem Erfolg: sie erzielen mit ihren Falschinformationen mitunter Reichweiten, von denen traditionelle Medienunternehmen nur träumen können.

Das Investigate Europe Team hat mir 100 Experten aus den Bereichen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft gesprochen (darunter auch Mitarbeiter von Social-Media-Plattformen), um besser zu verstehen, wie die Verbreitung von „Fake News“ via Social Media funktioniert, wer die Desinformation Machine kontrolliert und wie Wirtschaft, Behörden und Öffentlichkeit darauf reagieren. Das nüchterne Ergebnis: Europa ist nicht ausreichend auf diese Form der Propaganda vorbereitet.

Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte, kann unser Social-Media-Watchblog-Briefing abonnieren. Dort berichten wir regelmäßig über den Kampf gegen Desinformationen und den Zusammenhang von Social-Media-Plattformen und der Verbreitung von Falschinformationen.

Infografik: Womit Apple, Amazon, Google, Facebook und Microsoft ihr Geld verdienen

Martin

Die Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley erzielen Jahr um Jahr traumhafte Gewinne. Womit Apple, Amazon, Google, Facebook und Microsoft ihr Geld verdienen, unterscheidet sich dabei (grob gesagt) in zwei wesentlichen Merkmalen:

  • NutzerInnen werden als Konsumenten gesehen (Merkmal 1) vs. NutzerInnen sind das eigentliche Produkt (Merkmal 2).

Was das konkret bedeutet, lässt sich kurz am Unterschied von Microsoft und Facebook erklären:

Während Microsoft Produkte wie Computer, Betriebssysteme und Cloud-Anwendungen an Endverbraucher, bzw. Firmenkunden verkauft, bietet Facebook seine Services (Soziales Netzwerk, Messenger, etc.) den NutzerInnen kostenfrei an, sammelt aber im Gegenzug dafür alle nur erdenklichen Daten über die NutzerInnen und ermöglicht Werbetreibenden auf der Grundlage dieser Daten, zielgerichtet Werbung zu schalten – erst in diesem zweiten Schritt verdient Facebook Geld.

Die folgende Infografik gibt einen ganz guten Überblick über die wesentlichen Einnahmequellen von Apple, Amazon und Co. Was dabei auffällt:

  • Apples Erfolg hängt wirklich massiv mit dem Verkauf von iPhones zusammen – kein Wunder, dass sie sich jetzt mehr in Richtung Services entwickeln wollen.
  • Facebook und Google sind so krass abhängig vom Werbemarkt und den Daten, die sie über die NutzerInnen generieren – es fällt wirklich schwer ihrem Privacy-Gerede Glauben zu schenken.
  • Amazon und Microsoft hingegen scheinen viel breiter aufgestellt, was die Einnahmen angeht – wobei vor allem Amazon einen spannenden Spagat hinlegt zwischen Merkmal 1 und Merkmal 2.

Womit Apple, Amazon, Google, Facebook und Microsoft ihr Geld verdienen

via visualcapitalist.com

Order of Magnitude: Was Mark Zuckerberg am wichtigsten ist

Martin

Was denkt Mark Zuckerberg? Was beschäftigt ihn am meisten? Was ist das wichtigste Thema für ihn? Der Künstler und Wissenschaftler Ben Grosser hat aus zig Stunden öffentlichem Videomaterial einen Super-Cut gebastelt, der ziemlich gut aufzeigt, was das Thema Nummer 1 für Zuckerberg von 2004 bis 2018 war: Wachstum, nichts als Wachstum.

For Order of Magnitude, I viewed every one of these recordings and used them to build a supercut drawn from three of Mark’s most favored words: „more,“ „grow,“ and his every utterance of a metric such as „two million“ or „one billion.“

Das Ergebnis ist ein fast fünfzigminütiger Film, der die Hauptthemen des Tech-CEO aufzeigt und als Objektiv dafür dient, was ihn interessiert, wie er denkt und was er erreichen will. Ein unglaubliches Dokument, bei dem mensch nicht so genau weiß, ob Lachen oder Weinen die richtige Reaktion ist.

Ben Grosser ist übrigens auch der Kopf hinter dem Facebook Demetricator und dem Instagram Demetricator. Ich hatte für meinen brand-eins-Artikel „Am Haken“ mit Ben über die technischen und psychologischen Tricks gesprochen, die Social-Media-Plattformen anwenden, um ihre Nutzer möglichst oft und möglichst lange auf ihre Plattformen zu locken. Ben ist ein kluger Kopf, dem man auf jeden Fall bei Twitter folgen sollte: twitter.com/bengrosser

Der Unterschied zwischen Traffic und Community

Martin

Wenn du deine LeserInnen darüber informierst, dass du diese Woche kein zweites Briefing schaffst, da die Kids krank sind und du daraufhin 50 E-Mails mit Genesungswünschen für die Kleinen erhältst. Einfach unglaublich, wie eng die Verbindung zwischen den LeserInnen meines Newsletters und mir als Autoren ist. Das habe ich so noch nicht erlebt. Indie Journalism FTW!

Was ich nach 500 Newsletter-Ausgaben gelernt habe

Martin

Ich freue mich sehr, dass ich heute beim Vocer Innovation Day in Hamburg über die Arbeit beim Social Media Watchblog sprechen darf. Damit das Wissen nicht nur in den heiligen Hallen des SPIEGEL Verlags bleibt, möchte ich gern meine Learnings aus 500 Newsletter-Ausgaben hier mit allen Interessierten teilen.

Das Social Media Watchblog läuft bereits im siebten Jahr. Sehr häufig wollte ich es in all dieser Zeit schon dicht machen, wegschmeissen, löschen, abgeben, loswerden. Heute verdiene ich damit meinen Lebensunterhalt. Blicken wir also zunächst zurück, um den Status Quo besser zu verstehen.

Während meines Volontariats beim ZDF (2010 – 2012) wurde mir bewusst, dass soziale Medien zu einem elementaren Bestandteil des Mediensystems würden – sowohl hinsichtlich der Verbreitungsmöglichkeiten für Medienschaffende als auch mit Blick auf reguläre Nutzer, die über Facebook, Twitter und Co die Option bekamen, sich publizistisch auszutoben.

Um der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Bedeutung der sozialen Medien – und insbesondere der Firmen, die dahinter stecken – mehr Beachtung zu schenken, trat ich an meine Schweizer Twitter-Bekanntschaft Konrad Weber mit der Idee heran, einen eigenen Blog zu gründen.

Zunächst hatten Konrad und ich noch davon geträumt, eine Website aufzubauen, die als eine Art Wiki für all die Themen rund um Social Media fungieren sollte – eine Anlaufstelle für Bürger und Medienmacher gleichermaßen. Recht schnell stellten wir jedoch fest, dass wir neben unserer eigenen Arbeit beim ZDF, respektive dem SRF, nicht genug Zeit haben würden, eine derart aufwändige Plattform aufzubauen.

In der Folge beschlossen wir, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: einen kuratierten Überblick über die wichtigsten News und Debatten rund um Social Media – gern angereichert mit eigenen Ideen und Meinungen: das Briefing.

Durch die rasant wachsende Bedeutung von Social-Media-Plattformen für Akteure aus den Bereichen Medien, Politik und Wirtschaft wurde unser Newsletter unter Kollegen gern und oft weiterempfohlen: über 6000 Menschen haben unseren Newsletter in all den Jahren ausprobiert, ohne dass wir einmal dafür im eigentlichen Sinne Werbung gemacht hätten. Herzlichen Dank an Euch alle an dieser Stelle!

Das Social Media Watchblog hätte allerdings nie so groß im Kleinen werden können (dazu gleich mehr), wenn ich nicht neben Konrad noch die tatkräftige Unterstützung von vielen weiteren großartigen Kollegen gehabt hätte: liebe Anna, Isabell, lieber Christian, Jan, Tilman, Simon – auch an Euch mein herzlicher Dank an dieser Stelle!

So haben wir also als Autoren-Kollektiv von 2012 bis 2017 gemeinsam fast 400 Newsletter-Ausgaben produziert – zwar immer mal wieder mit Pausen, aber eigentlich mit dem Wunsch, wöchentlich zu produzieren.

In all dieser Zeit stellte ich gefühlt monatlich fest, dass mir das Social Media Watchblog zwar eigentlich viel zu viel Stress macht neben meiner eigentlichen Arbeit (2012 – 2015 im Newsroom von heute.de, 2015 – 2017 bei bento), ich es aber auch nicht loslassen kann. Mehr noch: dass ich Stunde um Stunde am Feierabend und in den frühen Morgenstunden investierte, um zu recherchieren, Newsletter zu produzieren, an der Website zu doktern, unsere Arbeit via Social Media zu kommunizieren, eine Facebook-Gruppe aufzubauen, Abo-Anfragen zu verwalten, Werbepartner zu finden…

Während meiner Elternzeit 2017 wurde mir dann klar, dass ich das Social Media Watchblog nicht weggeben, sondern zu einem elementaren Bestandteil meines Erwerbslebens ausbauen möchte. So entschloss ich mich als Test zum September 2017, unsere LeserInnen wesentlich offensiver als in all den Jahren zuvor um eine finanzielle Würdigung unserer Arbeit zu bitten.

Das Feedback war enorm: über 300 LeserInnen buchten direkt ein Abo via Steady, Institutionen wie die Deutsche Welle, Vice, die SZ und das ZDF schritten mutig voran und schlossen Firmenabos ab. Und das alles nur weil unsere Arbeit so wertgeschätzt wurde – nicht weil die Briefings sie sonst nicht mehr erreicht hatten. Diese Signale ermutigten mich, zum September 2018 eine echte Paywall einzuziehen: fortan gibt es das Briefing nur noch für zahlende Abonnenten.

Stand heute hat das Social Media Watchblog 600 Abos (darunter ein Großteil Jahresabos) direkt an Einzelpersonen verkauft und mehr als 15 institutionelle Kunden gewonnen, die für ihre Mitarbeiter Firmenabos abgeschlossen haben.

Damit lässt sich arbeiten. Über Steady erzielen wir 2500 Euro Umsatz, über die Firmenabos noch deutlich mehr. Das mag sich für einige noch nicht sonderlich attraktiv anhören, ich finde es galaktisch: die Idee, dass ich einmal komplett unabhängig publizistisch tätig bin und damit meinen Lebensunterhalt bestreiten könnte, hätte ich in den Tagen meines Volos nicht gedacht. Indie Journalismus FTW!

Falls dich dieses Modell interessiert, du ebenfalls gern in Trainingshosen ins Internet schreiben möchtest (keine Sorge: ich bin natürlich immer korrekt gekleidet), um damit Geld zu verdienen, dann habe ich zumindest vier Hinweise für dich.

Journalismus als Service

  • Du solltest deine Arbeit als Service verstehen. Wenn du einen echten Mehrwert bietest, sind die Leser auch bereit, Geld dafür zu bezahlen. In unserem Fall ersparen wir unseren LeserInnen Zeit & Arbeit: sie müssen nicht selbst Hunderte von Artikeln und Tweets die Woche über verfolgen, um zu verstehen, was in Sachen Social passiert – das machen wir für sie.

Werde zur Gewohnheit

  • Um ein festes Publikum zu finden, bedarf es hoher Verlässlichkeit. Je stärker du es schaffst, für deine LeserInnen zur Gewohnheit zu werden, desto besser. Das ist auch der Grund, warum wir unseren Newsletter zu festen Uhrzeiten verschicken. Das klappt nicht immer, aber in aller Regel können sich unsere AbonnentInnen darauf verlassen, dass das Briefing Dienstags und Donnerstags um 7:00 Uhr verschickt wird – so können sie am Küchentisch, auf dem Weg zur Arbeit oder als eine der ersten Amtshandlungen im Büro unser Briefing studieren.

Als Journalist einen Beat finden

  • Das Social Media Watchblog Briefing funktioniert auch deshalb, weil wir als Journalisten einen festen Kanon an Themen haben, denen wir uns kontinuierlich widmen. Mein persönliches Interesse gilt etwa der Schnittstelle von Social Media, Politik, Medien und Gesellschaft. Das ist mein Beat. In den USA gibt es bereits viele solcher Beat-Reporter, in Deutschland hingegen stecken viele Redaktionen noch in Strukturfallen und KollegInnen aus dem Wirtschaftsressort schreiben heute über Social Media und morgen über Pharma – eine echte Expertise lässt sich so nur schwer aufbauen. Aber genau diese Expertise wird von LeserInnen geschätzt.

Sich von Intermediären lossagen

  • Wer ein Publikum aus eigener Kraft erreichen möchte, der sollte sich von Intermediären lossagen. Das Social Media Watchblog hätte nie einen so festen Kern an interessierten KollegInnen aufbauen können, wenn wir unser Geschäft auf der Verbreitung via Facebook aufgebaut hätten. Das Werkzeug Newsletter ist deshalb so großartig, weil wir einen direkten Zugang zu unserem Publikum haben und nicht darauf hoffen müssen, das Reichweitenspiel auf Social-Media-Plattformen für uns entscheiden zu können.

Soweit erst einmal. Ich bedanke mich bei allen recht herzlich für das Interesse an unserem Angebot und hoffe, dass ich einigen KollegInnen neue Perspektive aufzeigen konnte. Hier geht es übrigens zum Abo unseres Newsletters :)