Sonntagsbeats: Joe Fontana – Myke Bogan

Martin

Diese Woche stammen die Sonntagsbeats von Myke Bogan. Das Album „Joe Fontana“ läuft nun bereits in der vierten Woche nahezu in Dauerschleife bei mir. Sehr, sehr entspannter Hip Hop aus Portland.

Was ich nach 500 Newsletter-Ausgaben gelernt habe

Martin

Ich freue mich sehr, dass ich heute beim Vocer Innovation Day in Hamburg über die Arbeit beim Social Media Watchblog sprechen darf. Damit das Wissen nicht nur in den heiligen Hallen des SPIEGEL Verlags bleibt, möchte ich gern meine Learnings aus 500 Newsletter-Ausgaben hier mit allen Interessierten teilen.

Das Social Media Watchblog läuft bereits im siebten Jahr. Sehr häufig wollte ich es in all dieser Zeit schon dicht machen, wegschmeissen, löschen, abgeben, loswerden. Heute verdiene ich damit meinen Lebensunterhalt. Blicken wir also zunächst zurück, um den Status Quo besser zu verstehen.

Während meines Volontariats beim ZDF (2010 – 2012) wurde mir bewusst, dass soziale Medien zu einem elementaren Bestandteil des Mediensystems würden – sowohl hinsichtlich der Verbreitungsmöglichkeiten für Medienschaffende als auch mit Blick auf reguläre Nutzer, die über Facebook, Twitter und Co die Option bekamen, sich publizistisch auszutoben.

Um der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Bedeutung der sozialen Medien – und insbesondere der Firmen, die dahinter stecken – mehr Beachtung zu schenken, trat ich an meine Schweizer Twitter-Bekanntschaft Konrad Weber mit der Idee heran, einen eigenen Blog zu gründen.

Zunächst hatten Konrad und ich noch davon geträumt, eine Website aufzubauen, die als eine Art Wiki für all die Themen rund um Social Media fungieren sollte – eine Anlaufstelle für Bürger und Medienmacher gleichermaßen. Recht schnell stellten wir jedoch fest, dass wir neben unserer eigenen Arbeit beim ZDF, respektive dem SRF, nicht genug Zeit haben würden, eine derart aufwändige Plattform aufzubauen.

In der Folge beschlossen wir, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: einen kuratierten Überblick über die wichtigsten News und Debatten rund um Social Media – gern angereichert mit eigenen Ideen und Meinungen: das Briefing.

Durch die rasant wachsende Bedeutung von Social-Media-Plattformen für Akteure aus den Bereichen Medien, Politik und Wirtschaft wurde unser Newsletter unter Kollegen gern und oft weiterempfohlen: über 6000 Menschen haben unseren Newsletter in all den Jahren ausprobiert, ohne dass wir einmal dafür im eigentlichen Sinne Werbung gemacht hätten. Herzlichen Dank an Euch alle an dieser Stelle!

Das Social Media Watchblog hätte allerdings nie so groß im Kleinen werden können (dazu gleich mehr), wenn ich nicht neben Konrad noch die tatkräftige Unterstützung von vielen weiteren großartigen Kollegen gehabt hätte: liebe Anna, Isabell, lieber Christian, Jan, Tilman, Simon – auch an Euch mein herzlicher Dank an dieser Stelle!

So haben wir also als Autoren-Kollektiv von 2012 bis 2017 gemeinsam fast 400 Newsletter-Ausgaben produziert – zwar immer mal wieder mit Pausen, aber eigentlich mit dem Wunsch, wöchentlich zu produzieren.

In all dieser Zeit stellte ich gefühlt monatlich fest, dass mir das Social Media Watchblog zwar eigentlich viel zu viel Stress macht neben meiner eigentlichen Arbeit (2012 – 2015 im Newsroom von heute.de, 2015 – 2017 bei bento), ich es aber auch nicht loslassen kann. Mehr noch: dass ich Stunde um Stunde am Feierabend und in den frühen Morgenstunden investierte, um zu recherchieren, Newsletter zu produzieren, an der Website zu doktern, unsere Arbeit via Social Media zu kommunizieren, eine Facebook-Gruppe aufzubauen, Abo-Anfragen zu verwalten, Werbepartner zu finden…

Während meiner Elternzeit 2017 wurde mir dann klar, dass ich das Social Media Watchblog nicht weggeben, sondern zu einem elementaren Bestandteil meines Erwerbslebens ausbauen möchte. So entschloss ich mich als Test zum September 2017, unsere LeserInnen wesentlich offensiver als in all den Jahren zuvor um eine finanzielle Würdigung unserer Arbeit zu bitten.

Das Feedback war enorm: über 300 LeserInnen buchten direkt ein Abo via Steady, Institutionen wie die Deutsche Welle, Vice, die SZ und das ZDF schritten mutig voran und schlossen Firmenabos ab. Und das alles nur weil unsere Arbeit so wertgeschätzt wurde – nicht weil die Briefings sie sonst nicht mehr erreicht hatten. Diese Signale ermutigten mich, zum September 2018 eine echte Paywall einzuziehen: fortan gibt es das Briefing nur noch für zahlende Abonnenten.

Stand heute hat das Social Media Watchblog 600 Abos (darunter ein Großteil Jahresabos) direkt an Einzelpersonen verkauft und mehr als 15 institutionelle Kunden gewonnen, die für ihre Mitarbeiter Firmenabos abgeschlossen haben.

Damit lässt sich arbeiten. Über Steady erzielen wir 2500 Euro Umsatz, über die Firmenabos noch deutlich mehr. Das mag sich für einige noch nicht sonderlich attraktiv anhören, ich finde es galaktisch: die Idee, dass ich einmal komplett unabhängig publizistisch tätig bin und damit meinen Lebensunterhalt bestreiten könnte, hätte ich in den Tagen meines Volos nicht gedacht. Indie Journalismus FTW!

Falls dich dieses Modell interessiert, du ebenfalls gern in Trainingshosen ins Internet schreiben möchtest (keine Sorge: ich bin natürlich immer korrekt gekleidet), um damit Geld zu verdienen, dann habe ich zumindest vier Hinweise für dich.

Journalismus als Service

  • Du solltest deine Arbeit als Service verstehen. Wenn du einen echten Mehrwert bietest, sind die Leser auch bereit, Geld dafür zu bezahlen. In unserem Fall ersparen wir unseren LeserInnen Zeit & Arbeit: sie müssen nicht selbst Hunderte von Artikeln und Tweets die Woche über verfolgen, um zu verstehen, was in Sachen Social passiert – das machen wir für sie.

Werde zur Gewohnheit

  • Um ein festes Publikum zu finden, bedarf es hoher Verlässlichkeit. Je stärker du es schaffst, für deine LeserInnen zur Gewohnheit zu werden, desto besser. Das ist auch der Grund, warum wir unseren Newsletter zu festen Uhrzeiten verschicken. Das klappt nicht immer, aber in aller Regel können sich unsere AbonnentInnen darauf verlassen, dass das Briefing Dienstags und Donnerstags um 7:00 Uhr verschickt wird – so können sie am Küchentisch, auf dem Weg zur Arbeit oder als eine der ersten Amtshandlungen im Büro unser Briefing studieren.

Als Journalist einen Beat finden

  • Das Social Media Watchblog Briefing funktioniert auch deshalb, weil wir als Journalisten einen festen Kanon an Themen haben, denen wir uns kontinuierlich widmen. Mein persönliches Interesse gilt etwa der Schnittstelle von Social Media, Politik, Medien und Gesellschaft. Das ist mein Beat. In den USA gibt es bereits viele solcher Beat-Reporter, in Deutschland hingegen stecken viele Redaktionen noch in Strukturfallen und KollegInnen aus dem Wirtschaftsressort schreiben heute über Social Media und morgen über Pharma – eine echte Expertise lässt sich so nur schwer aufbauen. Aber genau diese Expertise wird von LeserInnen geschätzt.

Sich von Intermediären lossagen

  • Wer ein Publikum aus eigener Kraft erreichen möchte, der sollte sich von Intermediären lossagen. Das Social Media Watchblog hätte nie einen so festen Kern an interessierten KollegInnen aufbauen können, wenn wir unser Geschäft auf der Verbreitung via Facebook aufgebaut hätten. Das Werkzeug Newsletter ist deshalb so großartig, weil wir einen direkten Zugang zu unserem Publikum haben und nicht darauf hoffen müssen, das Reichweitenspiel auf Social-Media-Plattformen für uns entscheiden zu können.

Soweit erst einmal. Ich bedanke mich bei allen recht herzlich für das Interesse an unserem Angebot und hoffe, dass ich einigen KollegInnen neue Perspektive aufzeigen konnte. Hier geht es übrigens zum Abo unseres Newsletters :)

Mac Miller: Tiny Desk Concert

Martin

Manchmal dauert es ja bekanntlich etwas, bis man begreift. In diesem Fall hat es ganze neun Jahre gebraucht, bis ich verstanden hatte, was Mac Miller für ein großartiger Künstler ist. Kurze Zeit später verstarb Mac Miller bereits – an einem Mix aus Fentanyl, Kokain und Ethanol, wie nun bekannt wurde. Möge er seinen Frieden gefunden haben, seine Musik wird mich noch lange begeistern.

Sonntagsbeats: Sinner’s Syndrome – Moderator

Martin

Diese Woche stammen die Sonntagsbeats vom Beat-Bauer Moderator aus Athen – das Album Sinner`s Syndrome passt ganz wunderbar zu diesen Herbsttagen.

Moderator is proving himself to be a master of cinematic beat-construction, evidenced by his album The World Within and other memorable appearances. The Athens-based producer is a serious player on the Greek downtempo/trip-hop scene, dazzling with a distinctive production style that leaps across genre boundaries. Lounge, hip hop, Italian horror film soundtracks, dub, Memphis soul, and even rockabilly are among the influences that phase in-and-out of Moderator’s songs. It’s like calmly turning the radio dial to a random station, yielding a surprising but pleasant discovery.

Sonntagsbeats: Down to Earth – Phoniks

Martin

Was für ein wunderschönes Beat-Tape! Die Beschreibung bei Bandcamp kann ich komplett unterschreiben:

„Phoniks returns with his first full-length solo project. An 18-track instrumental hip-hop beat tape titled “Down To Earth”. Nearly 2 years in the works, Phoniks dug through over 250 hours worth of recorded material when piecing together his solo debut. The album is comprised of 2 to 3 minute jazz-tinged lo-fi head nodders connected with thought-provoking spoken word samples from 50’s sci-fi space movies. Crunchy 12-bit drums, spaced-out filters, and delays and a sprinkling of horn loops and soul vocals captivate over the albums 40-min run time. The goal is to take the listener off to another place, floating through the cosmos on a one-man spacecraft with nothing but a pair of headphones and all the time in the world.“

Das Smartphone ist an allem schuld

Martin

Das Smartphone als Sündenbock: Sascha Lobo beschäftigt sich in seiner aktuellen SPON-Kolumne mit dem allgegenwärtigen Smartphone-Bashing. Einen Satz aus Saschas lesenswertem Text möchte ich gern hier festhalten:

„Wir überlassen den jüngeren Generationen eine Welt, randvoll mit Nationalisten und Nazis, Populisten und islamistischen Terroristen, vom Klimawandel und Umweltschäden nicht zu reden – aber das Smartphone ist schuld an den zunehmenden Depressionen der Jugend.“